
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du kennst die wichtigsten Meilensteine der psychedelischen Geschichte — von indigenem Gebrauch bis zur modernen Forschung Du verstehst, warum die Prohibition der 1970er-Jahre die Forschung für Jahrzehnte zum Erliegen brachte Du kannst die aktuelle psychedelische Renaissance in ihren historischen Kontext einordnen Du erkennst die Bedeutung indigener Traditionen als Ursprung psychedelischen Wissens
Von den Anfängen bis heute
Die Geschichte der Psychedelika ist keine westliche Geschichte. Sie beginnt nicht in einem Schweizer Labor im Jahr 1938. Sie beginnt Tausende von Jahren früher — in den Regenwäldern Südamerikas, den Bergen Mexikos, den Wüsten Nordafrikas und den Steppen Sibiriens.
Wenn du als Facilitator arbeitest, trägst du eine Verantwortung, diese Geschichte zu kennen. Nicht nur die Highlights, die in populären Büchern stehen — sondern auch die unbequemen Kapitel.
Indigene Wurzeln
Mesoamerika: Die Pilze der Götter
Die Mazateken im heutigen Bundesstaat Oaxaca, Mexiko, verwenden Psilocybin-Pilze seit Jahrhunderten in zeremoniellen Kontexten. Sie nennen sie teonanácatl — „Fleisch der Götter". Der Gebrauch war nie rekreativ. Er war eingebettet in ein spirituelles System, begleitet von einer curandera oder einem curandero (Heilkundigen), und hatte klare Regeln.
María Sabina, eine Mazatec-curandera, wurde in den 1950er-Jahren weltberühmt, als der Bankier und Hobby-Mykologe R. Gordon Wasson an einer ihrer Zeremonien teilnahm und darüber 1957 im Life Magazine berichtete. Was als „Entdeckung" gefeiert wurde, war für die Mazatec-Gemeinschaft der Beginn einer Katastrophe — ein Strom westlicher Besucher, der ihre heiligen Praktiken kommerzialisierte.
Südamerika: Ayahuasca
Ayahuasca — ein Gebräu aus der Liane Banisteriopsis caapi und den Blättern von Psychotria viridis — wird in Dutzenden indigener Traditionen im Amazonasbecken verwendet. Die Shipibo, Quechua, Asháninka und viele weitere Völker haben über Generationen ein komplexes Wissen um die Zubereitung, Dosierung und zeremonielle Einbettung entwickelt.
Das Besondere an Ayahuasca: Die Kombination zweier Pflanzen, die einzeln kaum psychoaktiv wirken, aber zusammen ein kraftvolles Erlebnis auslösen. Die MAO-Hemmer in der Liane machen das DMT in den Blättern oral verfügbar. Wie indigene Völker aus Tausenden von Pflanzenarten genau diese Kombination gefunden haben, bleibt eines der großen Rätsel.
Weitere Traditionen
- Peyote (Mescalin): Die Native American Church und die Huichol in Mexiko verwenden den Peyote-Kaktus seit Jahrhunderten in Gebeten und Visionssuchen
- Iboga: Die Bwiti-Tradition in Gabun und Kamerun nutzt die Iboga-Wurzelrinde als Initiationssakrament
- Fliegenpilz (Amanita muscaria): Hinweise auf Gebrauch in sibirischen schamanischen Traditionen
Albert Hofmann und die Geburt von LSD
Die zufällige Entdeckung
Am 16. November 1938 synthetisierte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann bei Sandoz in Basel das Lysergsäurediethylamid — LSD-25. Es war die 25. Substanz in einer Reihe von Lysergsäure-Derivaten, die er im Rahmen seiner Forschung zu Mutterkornalkaloiden herstellte. Erste Tests an Tieren zeigten keine besonderen Effekte, und die Substanz wurde beiseitegelegt.
Der Fahrrad-Tag
Fünf Jahre später, am 16. April 1943, hatte Hofmann eine Eingebung und synthetisierte LSD-25 erneut. Dabei nahm er versehentlich eine kleine Menge über die Haut auf und erlebte — wie er in seinen Notizen festhielt — „einen nicht unangenehmen berauschten Zustand, der sich durch eine äußerst angeregte Phantasie kennzeichnete".
Drei Tage später, am 19. April 1943, nahm er bewusst 250 Mikrogramm ein — eine Dosis, die er für minimal hielt, die aber tatsächlich hoch wirksam war. Die Wirkung setzte auf der Fahrradfahrt nach Hause ein. Dieser Tag ging als „Bicycle Day" in die Geschichte ein — der erste bewusste LSD-Rausch der Menschheit.
Die erste Welle: Forschung und Aufbruch (1950er–1960er)
Die Namensgebung
1957 prägte der britische Psychiater Humphry Osmond den Begriff „psychedelisch" — aus dem Griechischen psyche (Seele) und delein (offenbaren). „Psychedelisch" bedeutet also wörtlich „die Seele offenbarend". Osmond hatte zuvor mit Mescalin und LSD gearbeitet und den Begriff in einem Briefwechsel mit dem Schriftsteller Aldous Huxley entwickelt.
Die Harvard-Ära
Timothy Leary und Richard Alpert (später Ram Dass) begannen 1960 an der Harvard University das „Harvard Psilocybin Project". Die frühen Studien — darunter das Concord Prison Experiment und das Marsh Chapel Experiment (Good Friday Experiment) — waren wissenschaftlich vielversprechend.
Doch Leary wandelte sich vom Forscher zum Propheten. Sein berühmtes „Turn on, tune in, drop out" wurde zum Schlachtruf der Gegenkultur — und zum Albtraum der Wissenschaft. Die Grenzen zwischen Forschung und Aktivismus verschwammen, und die akademische Gemeinschaft distanzierte sich zunehmend.
Stanislav Grof: Die Kartierung des Bewusstseins
Während Leary die Schlagzeilen dominierte, leistete der tschechische Psychiater Stanislav Grof die vielleicht bedeutendste Grundlagenarbeit. Zwischen 1956 und 1967 führte er in Prag über 4.000 begleitete LSD-Sitzungen durch und entwickelte daraus eine systematische Kartographie des Bewusstseins — eine Arbeit, die bis heute für die psychedelische Begleitung relevant ist.
Grof beobachtete, dass psychedelische Erfahrungen in nachvollziehbare Kategorien fielen: biographische Erinnerungen, perinatale Erfahrungen (verbunden mit Geburt und Tod) und transpersonale Bereiche (jenseits des individuellen Selbst). Diese Systematik half, das Chaos psychedelischer Erfahrungen verstehbar zu machen.
Die Prohibition (1970er)
Der politische Hintergrund
Präsident Richard Nixon erklärte Drogen zum „Staatsfeind Nummer eins". 1970 unterzeichnete er den Controlled Substances Act, der LSD, Psilocybin und andere Psychedelika in Schedule I einordnete — die restriktivste Kategorie, reserviert für Substanzen mit „hohem Missbrauchspotenzial und keinem anerkannten medizinischen Nutzen".
Diese Einstufung war politisch motiviert. John Ehrlichman, Nixons innenpolitischer Berater, gab 1994 in einem Interview zu, dass die Drogenpolitik gezielt gegen die Antikriegsbewegung und die afroamerikanische Gemeinschaft gerichtet war.
Die Folge: Nahezu alle Forschung mit Psychedelika kam zum Erliegen. Nicht weil die Wissenschaft gescheitert war — sondern weil die Politik entschieden hatte.
Die dunklen Jahrzehnte (1970er–1990er)
Für fast drei Jahrzehnte war psychedelische Forschung faktisch unmöglich. Wissenschaftler, die sich für das Thema interessierten, riskierten ihre Karriere. Die wenigen verbliebenen Forscher — wie Alexander Shulgin, der in seinem Privatlabor Hunderte psychoaktiver Substanzen synthetisierte und testete — arbeiteten am Rand der Legalität.
In dieser Zeit ging ein enormer Wissensschatz verloren. Eine ganze Generation von Forschern musste bei null anfangen, als die Arbeit schließlich wieder möglich wurde.
Die psychedelische Renaissance (seit den 2000ern)
Die Pioniere der Wiederaufnahme
- Rick Doblin gründete 1986 die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), die zur treibenden Kraft hinter der MDMA-Forschung wurde
- Roland Griffiths startete 2000 an der Johns Hopkins University die erste Psilocybin-Studie nach Jahrzehnten der Pause. Seine Ergebnisse von 2006 — 67 % der Teilnehmer bewerteten die Erfahrung als eine der fünf bedeutsamsten ihres Lebens — machten weltweit Schlagzeilen
- Robin Carhart-Harris etablierte am Imperial College London ein Forschungszentrum, das bahnbrechende Arbeiten zum Verständnis psychedelischer Zustände im Gehirn leistete
Die Renaissance ist kein Einzelereignis. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Beharrlichkeit einzelner Menschen, die gegen den Zeitgeist forschten und kämpften.
Was diese Geschichte für dich als Facilitator bedeutet
Du stehst auf den Schultern einer langen Geschichte — einer Geschichte, die von Weisheit, Mut, Fehlern und Ungerechtigkeit gleichermaßen geprägt ist. Als Facilitator ist es deine Verantwortung, diese Geschichte zu kennen, die indigenen Wurzeln zu ehren und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass indigene Gemeinschaften psychoaktive Pflanzen seit mindestens 5.700 Jahren rituell verwenden.
Miller et al., 2019, veröffentlicht in PNAS — Archäologische Funde in einer Höhle in Bolivien belegen den Gebrauch von DMT-haltigen Substanzen, Ayahuasca-Zutaten und Psilocybin-Pilzen in zeremoniellen Kontexten — Jahrtausende vor der westlichen „Entdeckung".
Exercise
Reflexionsübung:
Recherchiere eine indigene Tradition des Substanzgebrauchs, die dich besonders anspricht. Schreibe eine Seite darüber: Welche Rolle spielte die Substanz in der Gemeinschaft? Wer durfte sie verwenden? Welchen Rahmen gab es?
Reflektiere anschließend: Was können wir von dieser Tradition lernen — und wo liegt die Grenze zwischen Lernen und Aneignung?