
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du kannst die emotionale Bereitschaft von Teilnehmern einschätzen Du kennst die häufigsten Angstmuster vor psychedelischen Erfahrungen und weißt, wie du damit umgehst Du beherrschst grundlegende Grounding-Techniken, die du Teilnehmern im Vorfeld vermitteln kannst
Der emotionale Koffer
Jeder Mensch, der in einen psychedelischen Erfahrungsraum tritt, bringt sein gesamtes emotionales Leben mit. Den Streit mit dem Partner gestern Abend. Die Trauer um den Vater, die seit drei Jahren nicht verarbeitet ist. Die unterschwellige Angst, nicht gut genug zu sein. Die Sehnsucht nach etwas, das keinen Namen hat.
All das ist im Raum. Ob du es siehst oder nicht.
Deine Aufgabe als Facilitator beginnt nicht erst in dem Moment, in dem die Substanz wirkt. Sie beginnt lange vorher — in dem Moment, in dem du den emotionalen Zustand deiner Teilnehmern bewusst wahrnimmst und mit ihnen daran arbeitest.
Emotionale Bereitschaft einschätzen
Emotionale Bereitschaft ist nicht gleichbedeutend mit emotionaler Stabilität. Ein Mensch kann emotional stabil sein und trotzdem nicht bereit — weil die Motivation falsch ist, weil der Zeitpunkt schlecht ist, weil äußere Umstände zu belastend sind.
Und ein Mensch kann emotional aufgewühlt sein und genau deshalb bereit — weil die innere Dringlichkeit authentisch ist und die Bereitschaft, sich dem Prozess zu öffnen, tief.
Fragen, die dir helfen:
- Wie geht es der Person gerade — jenseits von „gut" oder „schlecht"?
- Was ist aktuell das dominante Thema in ihrem Leben?
- Hat sie gerade die Kapazität, sich emotional öffnen zu lassen?
- Gibt es aktuelle Krisen (Trennung, Jobverlust, Trauerfall), die den Zeitpunkt ungünstig machen?
- Nimmt sie psychoaktive Medikamente ein? (Kontraindikationen beachten)
- Hat sie Erfahrung mit emotionaler Selbstregulation?
Häufige Angstmuster
Angst vor Kontrollverlust
Die häufigste Angst. „Was, wenn ich die Kontrolle verliere?" Die ehrliche Antwort: „Du wirst wahrscheinlich ein Stück Kontrolle abgeben. Und genau das kann heilsam sein — nicht weil Kontrollverlust gut ist, sondern weil du erfährst, dass du auch ohne deine gewohnte Kontrolle sicher bist."
Angst vor Wahnsinn
„Was, wenn ich verrückt werde und nicht zurückkomme?" Eine verständliche Angst, genährt durch kulturelle Narrative. Erkläre sachlich: Psychedelische Substanzen haben eine begrenzte Wirkdauer. Die veränderte Wahrnehmung ist temporär. Und du bist da, die ganze Zeit.
Angst vor dem Tod
Ego-Tod-Erfahrungen können sich anfühlen wie Sterben. Diese Angst ist nicht irrational — sie basiert auf Berichten, die Teilnehmer gehört haben. Dein Ansatz: Nicht verharmlosen, nicht dramatisieren. „Manche Menschen erleben Momente, in denen sich etwas auflöst — das ‚Ich', das du kennst. Das kann sich beängstigend anfühlen. Und ich bin da, wenn das passiert."
Angst vor der Wahrheit
„Was, wenn ich etwas über mich sehe, das ich nicht sehen will?" Diese Angst ist oft die realste. Psychedelische Erfahrungen können schonungslos ehrlich sein. Dein Ansatz: Validiere die Angst. „Ja, du könntest Dinge sehen, die unbequem sind. Und du musst heute nicht alles lösen. Es reicht, hinzuschauen."
Grounding-Techniken vorab vermitteln
Bring deinen Teilnehmern vor der Erfahrung Techniken bei, die sie während der Erfahrung nutzen können. Nicht als Notfallmaßnahmen — sondern als Werkzeuge, die sie bereits kennen, wenn sie sie brauchen.
Atemtechnik: 4-7-8
- 4 Sekunden einatmen
- 7 Sekunden halten
- 8 Sekunden ausatmen
- 3-4 Zyklen reichen, um das Nervensystem zu beruhigen
Körperliche Erdung
- Füße bewusst auf den Boden drücken
- Hände aneinanderreiben, bis Wärme entsteht
- Eine Hand auf das Herz, eine auf den Bauch
- Schwere Decke als Gewichtsanker
Sensorische Orientierung (5-4-3-2-1)
- 5 Dinge, die du siehst
- 4 Dinge, die du hörst
- 3 Dinge, die du berührst
- 2 Dinge, die du riechst
- 1 Ding, das du schmeckst
Diese Technik kann auch während einer veränderten Bewusstseinslage funktionieren — manchmal in modifizierter Form.
Emotionalen Wortschatz aufbauen
Viele Menschen haben einen erstaunlich begrenzten emotionalen Wortschatz. „Gut" und „schlecht" reichen nicht aus, um das zu beschreiben, was in einer psychedelischen Erfahrung geschieht.
Übe mit deinen Teilnehmern vorab, Gefühle differenziert zu benennen. Nicht „Angst", sondern: Ist es Beklemmung? Nervosität? Ehrfurcht? Schrecken? Unsicherheit? Aufregung?
Das Benennen von Emotionen — von Forschern als „Affect Labeling" bezeichnet — aktiviert den präfrontalen Kortex und kann die Intensität der Emotion regulieren, ohne sie zu unterdrücken.
Der emotionale Koffer — sichtbar machen
Lade deine Teilnehmern ein, ihren „emotionalen Koffer" bewusst zu packen. Was bringen sie mit? Was liegt oben? Was ist ganz unten, vielleicht vergessen?
Diese Übung ist keine Inventur — sie ist eine Einladung zur Selbstwahrnehmung. Und sie gibt dir als Facilitator wertvolle Informationen darüber, was im Raum sein könnte.
Die Arbeit mit Emotionen in diesem Kontext ist Coaching und Begleitung — kein Ersatz für Psychotherapie. Wenn Teilnehmer unter akuten psychischen Belastungen leiden, verweise an qualifizierte Fachpersonen.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass Teilnehmer, die vor der Erfahrung Grounding-Techniken erlernt hatten, während herausfordernder Phasen signifikant besser regulieren konnten.
Johnson et al., 2018 — Die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen, war dabei wichtiger als die Abwesenheit von Angst.
Exercise
Übung — Der emotionale Koffer:
Stell dir vor, jeder Teilnehmer bringt einen unsichtbaren Koffer mit in den Raum. Darin: unerledigte Konflikte, aktuelle Sorgen, alte Wunden, Hoffnungen, Ängste.
Nimm dir 10 Minuten und schreib auf, was in deinem eigenen „Koffer" gerade drin ist. Was davon könnte während einer Begleitung aktiviert werden?