
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du verstehst den Unterschied zwischen Intention, Erwartung und Zielsetzung Du kannst Teilnehmer durch einen strukturierten Intentionsprozess begleiten Du weißt, wie du mit vagen oder überladenen Intentionen konstruktiv arbeitest
Was ist eine Intention?
Eine Intention ist keine Zielsetzung. Sie ist kein Businessplan für deine psychedelische Erfahrung. Und sie ist definitiv kein Vertrag mit dem Universum, der garantiert, dass du bekommst, was du willst.
Eine Intention ist eine Richtung. Eine sanfte Ausrichtung deiner Aufmerksamkeit. Ein Flüstern, kein Befehl.
Der Unterschied ist entscheidend — und als Facilitator ist es eine deiner wichtigsten Aufgaben, diesen Unterschied vermitteln zu können.
Intention vs. Erwartung vs. Ziel
| Intention | Erwartung | Ziel | |
|---|---|---|---|
| Haltung | Offen, einladend | Fordernd, fixiert | Ergebnisorientiert |
| Sprache | „Ich lade mich ein…" | „Es wird…" | „Ich muss…" |
| Bei Nicht-Eintreten | Neugier, Akzeptanz | Enttäuschung, Widerstand | Frustration, Versagen |
| Beziehung zur Erfahrung | Partnerschaftlich | Kontrollierend | Leistungsbezogen |
Wenn ein Teilnehmer sagt: „Mein Ziel ist es, mein Trauma zu verarbeiten" — dann ist das kein Problem, aber es ist auch keine Intention. Es ist ein Wunsch, verkleidet als Plan. Deine Aufgabe ist es, diesen Wunsch sanft in eine offene Haltung zu transformieren.
Die Gefahr der Erwartung
Erwartungen sind der häufigste Saboteur einer psychedelischen Erfahrung. Nicht weil Erwartungen per se schlecht sind — sondern weil sie einen Rahmen schaffen, in dem alles, was nicht der Erwartung entspricht, als „falsch" erlebt wird.
Ein Teilnehmer, der erwartet, Visionen zu haben, wird eine subtile, körperliche Erfahrung als Enttäuschung erleben. Eine Teilnehmerin, die erwartet, endlich zu weinen, wird Wut oder Stille als Scheitern interpretieren.
Als Facilitator bist du der Hüter des offenen Raums. Du hilfst Teilnehmern, ihre Erwartungen zu erkennen — nicht um sie zu eliminieren, sondern um sie zu lockern.
Wie du Intentionsarbeit anleitest
Schritt 1: Einführung in das Konzept
Erkläre den Unterschied zwischen Intention und Erwartung. Nutze Metaphern: Eine Intention ist wie ein Kompass — sie zeigt eine Richtung, aber sie bestimmt nicht den Weg. Eine Erwartung ist wie ein GPS mit fester Route — jede Abweichung wird als Fehler gemeldet.
Schritt 2: Freies Schreiben
Lass Teilnehmer 10 Minuten frei schreiben. Prompt: „Was bringt dich hierher? Was bewegt dich gerade? Was wünschst du dir — ohne es einzuschränken?"
Schritt 3: Destillation
Aus dem freien Text extrahieren die Teilnehmer einen Kern. Nicht den perfekten Satz — sondern das Wesentliche. Oft reicht ein Wort: Mut. Vertrauen. Loslassen. Klarheit.
Schritt 4: Formulierung als Einladung
Die finale Intention wird als Einladung formuliert: „Ich lade mich ein, mich dem Thema Vertrauen zu öffnen." Nicht: „Ich werde lernen, zu vertrauen."
Schritt 5: Teilen (optional)
In Gruppen kann das Teilen der Intention kraftvoll sein. Aber: Niemand muss. Die Intention gehört der Person, nicht der Gruppe.
Arbeit mit vagen Intentionen
„Ich will einfach heilen." „Ich will mich selbst finden." „Ich will Erleuchtung."
Diese Intentionen sind nicht falsch. Aber sie sind so groß, dass sie alles und nichts bedeuten. Deine Aufgabe ist nicht, sie zu korrigieren — sondern sie zu vertiefen.
Fragen, die helfen:
- „Was bedeutet ‚heilen' für dich konkret? Woran würdest du merken, dass etwas anders ist?"
- „Wenn du ‚dich selbst finden' könntest — was glaubst du, was du finden würdest?"
- „Was wäre ein ganz kleiner erster Schritt in Richtung dessen, was du suchst?"
Manchmal führt die Vertiefung zu einer viel spezifischeren Intention. Manchmal bleibt sie vage — und das ist auch in Ordnung. Nicht jede Intention muss messbar sein.
Intention leicht halten
Die vielleicht wichtigste Lektion in der Intentionsarbeit: Halt die Intention leicht. Wie einen Vogel in der offenen Hand — fest genug, dass er nicht wegfliegt, locker genug, dass er atmen kann.
Eine Intention ist eine Einladung, keine Instruktion. Sie richtet die Aufmerksamkeit aus, ohne die Erfahrung zu kontrollieren. Wenn die Erfahrung in eine völlig andere Richtung geht — dann war das vielleicht genau das, was gebraucht wurde.
Deine Aufgabe als Facilitator: Vermittle diese Haltung. Nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis. Wenn du selbst deine Intentionen leicht hältst, werden es deine Teilnehmern auch lernen.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die Arbeit mit Intentionen ist ein Coaching-Werkzeug — keine klinische Intervention.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass Intentionen als eine Art innerer Kompass fungieren, der die Erfahrung nicht determiniert, aber orientiert.
Haijen et al., 2018 — Teilnehmer, die vor einer psychedelischen Erfahrung eine klare Intention formulierten, berichteten signifikant positivere Ergebnisse — sowohl in Bezug auf persönliches Wachstum als auch auf emotionale Verarbeitung.
Exercise
Übung — Intention vs. Erwartung:
Nimm dir 15 Minuten und schreib drei Sätze auf, die mit „Ich will…" beginnen. Prüfe dann jeden Satz: Ist das eine Einladung an dich selbst — oder eine Forderung an die Erfahrung?
Formuliere jeden Satz so um, dass er eine offene Haltung ausdrückt. Beispiel: „Ich will meine Angst loswerden" → „Ich lade mich ein, meine Beziehung zu Angst neugierig zu betrachten."