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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du verstehst das Konzept des sakralen Raums und kannst es unabhängig von religiösen Traditionen anwenden
  • Du kannst verschiedene Altar- und Schrein-Formate gestalten — von minimalistisch bis elaboriert
  • Du beherrschst die praktischen Schritte zur Vorbereitung eines sakralen Erfahrungsraums
  • Du verstehst die Wirkung von Farbe, Licht, Duft und Klang auf veränderte Bewusstseinszustände

Was macht einen Raum „sakral"?

Das Wort „sakral" löst bei vielen Menschen eine von zwei Reaktionen aus: Anziehung oder Abwehr. Beides ist verständlich — und beides basiert auf der Annahme, dass „sakral" gleichbedeutend mit „religiös" ist.

Das ist es nicht.

Der Religionswissenschaftler Mircea Eliade beschrieb den sakralen Raum als einen Ort, der sich qualitativ vom Alltäglichen unterscheidet. Nicht weil er heilig ist im kirchlichen Sinne — sondern weil er intentional gestaltet wurde. Er ist herausgehoben aus dem Gewöhnlichen. Er signalisiert: Hier gelten andere Regeln. Hier ist Aufmerksamkeit gefragt. Hier passiert etwas Bedeutsames.

In der psychedelischen Begleitung nutzen wir dieses Konzept — ohne es an eine bestimmte Religion, Tradition oder Weltanschauung zu binden. Ein sakraler Raum ist ein Raum, der mit Absicht gestaltet wurde, um Tiefe, Sicherheit und Bedeutung zu ermöglichen.

Der Hubbard Room

In den 1960er und 70er Jahren entwickelten Forscher am Spring Grove Hospital in Maryland ein Raumkonzept, das als „Hubbard Room" bekannt wurde — benannt nach dem Forscher Al Hubbard. Die Idee: Die sterile Krankenhausumgebung ersetzen durch einen Raum, der aussieht wie ein schönes Wohnzimmer — mit Teppichen, Blumen, Kunst, natürlichem Licht, bequemen Möbeln.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Teilnehmer in gestalteten Räumen berichteten signifikant häufiger von mystischen Erfahrungen und weniger von Angst und Paranoia als solche in klinischen Umgebungen.

Die Lektion: Umgebung ist nicht Dekoration. Umgebung ist Intervention.

Sakralität ohne religiöse Imposition

Als Facilitator ist es deine Aufgabe, einen Raum zu schaffen, der Bedeutung trägt — ohne den Teilnehmern eine bestimmte Bedeutung aufzuzwingen.

Das bedeutet konkret:

  • Keine religiösen Symbole, es sei denn, die Gruppe hat ausdrücklich einen gemeinsamen Rahmen
  • Keine kulturellen Anleihen, die du nicht wirklich verstehst oder zu denen du keine authentische Beziehung hast
  • Keine esoterische Überfrachtung: Zehn Kristalle und drei Göttinnenfiguren sind keine Sakralität — sie sind Dekoration
  • Stattdessen: Schlichtheit, Natürlichkeit, Intentionalität

Altar- und Schrein-Gestaltung

Ein Altar ist nicht religiös. Ein Altar ist ein Fokuspunkt — ein Ort im Raum, der Aufmerksamkeit sammelt und Intention sichtbar macht.

Elementarer Altar

Eine klassische Struktur, die auf den vier Elementen basiert:

Richtung Element Beispiel-Objekte
Norden Erde Stein, Salz, Holz, Samen
Osten Luft Feder, Räucherwerk, Windspiel
Süden Feuer Kerze, Bernstein, rotes Tuch
Westen Wasser Schale mit Wasser, Muschel, blaues Glas
Zentrum Geist/Intention Kerze, Intentionspapier, leere Schale

Diese Struktur ist universell genug, um nicht religiös zu wirken, und spezifisch genug, um Bedeutung zu tragen. Du kannst sie erklären oder einfach wirken lassen.

Dreistufiger Schrein

Eine vertikale Struktur auf drei Ebenen:

Untere Ebene — Erdung: Schwere, natürliche Objekte. Steine, Holz, eine Schale mit Sand. Diese Ebene repräsentiert Sicherheit, Boden, Fundament.

Mittlere Ebene — Intention: Persönliche Gegenstände der Teilnehmer (wenn gewünscht), geschriebene Intentionen auf Papier, Fotos, Symbole der individuellen Arbeit.

Obere Ebene — Fokus: Eine einzelne Kerze, eine Blume, ein besonders schöner Stein — etwas, das den Blick nach oben lenkt, ohne zu dominieren.

Natur-Altar

Nur natürliche, gefundene Objekte. Kein gekauftes Material. Was der Ort hergibt: Blätter, Äste, Steine, Blüten, Moos, Federn, Samenkapseln. Diese Form eignet sich besonders für Outdoor-Settings oder wenn du eine Verbindung zur unmittelbaren Umgebung herstellen möchtest.

Minimalistischer Altar

Eine einzelne Kerze auf einer sauberen Fläche. Daneben ein leeres Blatt Papier. Mehr nicht. Diese radikale Reduktion kann kraftvoller sein als jede elaborierte Gestaltung — weil sie Raum lässt für das, was die Teilnehmer selbst mitbringen.

Gruppen-Altar

Lade die Teilnehmer ein, ein persönliches Objekt mitzubringen und auf den Altar zu legen. Das kann ein Stein sein, ein Foto, ein Ring, ein Brief. Der Altar wird so zum gemeinsamen Feld — jeder hat einen Platz darin.

Wichtig: Niemand muss. Und niemand muss erklären, was das Objekt bedeutet.

Visuelle Umgebung

Farbpsychologie für veränderte Bewusstseinszustände

In verändertem Zustand wird die Farbwahrnehmung intensiviert. Farben werden lebendiger, emotional aufgeladener, bedeutungsträchtiger. Deshalb ist die Farbwahl im Raum nicht kosmetisch — sie ist psychologisch.

Warme Erdtöne (Bernstein, Terrakotta, Creme, warmes Beige): Wirken erdend und sicher. Signalisieren dem Nervensystem: „Du bist gehalten." Beste Basisfarben für den Erfahrungsraum.

Salbeigrün: Natürlich, beruhigend, lebendig ohne Aufregung. Besonders wirksam in Kombination mit natürlichen Materialien.

Tiefes Indigo: Tiefe, Introspektive, Nacht. Geeignet für Akzente — nicht als Raumfarbe, sondern als Tuch, Kissen oder Himmel.

Zu vermeiden: Neonfarben (überreizend), Klinisches Weiß (kalt, steril, medizinisch), zu viel Rot (kann Agitation auslösen), grelle Kontraste (visuell aggressiv).

Textilien

Natürliche Materialien — Baumwolle, Leinen, Wolle. Synthetik fühlt sich in verändertem Zustand oft unangenehm an. Weiche, strukturierte Oberflächen. Tücher über harte Möbel. Teppiche auf kaltem Boden.

Kunst und Bilder

Naturbilder, abstrakte Formen — gut. Figurative Kunst, Porträts, Fotografien von Menschen — problematisch. Gesichter können in verändertem Zustand verzerrt wahrgenommen werden und Angst auslösen. Im Zweifel: keine Bilder.

Lichtgestaltung

Licht ist einer der einflussreichsten Faktoren im Erfahrungsraum.

Dimmbares Warmlicht ist der Standard. Nicht Deckenlicht — Stehlampen, Tischlampen, indirektes Licht. Die Möglichkeit, die Helligkeit stufenlos zu regulieren, ist essenziell. Während der Peak-Phase: sehr dunkel. Danach: langsam aufhellen.

Kerzen: Echtes Kerzenlicht ist unvergleichlich warm und lebendig. Aber: Brandgefahr. Immer auf feuerfester Unterlage. Nie in der Nähe von Stoff. Nie unbeaufsichtigt. LED-Kerzen als sichere Alternative — die modernen Versionen mit Flackerlicht sind erstaunlich gut.

Salzlampen: Warmes Bernsteingleuchten, sanft und beruhigend. Ideal als Nachtlicht-Ersatz oder für die Übergangsphase.

Lichterketten: Warmweiße Lichterketten (Fairy Lights) können eine magische, geborgene Atmosphäre schaffen. Aber: nicht übertreiben. Eine einzelne Kette reicht.

Grundregel: Die Beleuchtung muss stufenlos veränderbar sein und während der intensivsten Phase auf ein Minimum reduziert werden können.

Duft

In verändertem Bewusstseinszustand ist der Geruchssinn oft intensiviert. Was normalerweise angenehm riecht, kann überwältigend werden.

Palo Santo, Salbei, Weihrauch, Sandelholz: Traditionelle Räucherstoffe, die vor der Sitzung verwendet werden können — zum „Reinigen" des Raums. Aber: sehr sparsam. Und nur VOR der Sitzung, nicht währenddessen. Rauch kann in verändertem Zustand erstickend wirken.

Ätherische Öle: Ein Tropfen Lavendelöl auf ein Tuch, Zitrusöl als Erfrischung in der Nachphase. Nie direkt auftragen, nie im Diffusor während der gesamten Session. Teilnehmer sollten die Wahl haben, ob sie Duft möchten.

Frische Luft: Der beste Duft. Fenster öffnen, Querlüften vor der Session. Die Möglichkeit, jederzeit frische Luft zu bekommen, muss gegeben sein.

Klang-Umgebung

Akustische Aufbereitung: Weiche Oberflächen absorbieren Schall. Ein Raum voller harter Flächen hallt — und Hall kann in verändertem Zustand desorientierend sein. Teppiche, Vorhänge, Polster verbessern die Akustik erheblich.

Naturklänge vs. Stille vs. kuratierte Musik: Module 13 geht tief in die Musikarbeit ein. Hier nur die Grundlagen: Stille hat ihren eigenen Wert. Naturklänge (Wind, Wasser, Vögel) sind universell beruhigend. Kuratierte Playlists erfordern Fachwissen (dazu später mehr).

Klangschalen: Können als Übergangsmarker dienen — ein einzelner Ton, der den Beginn oder das Ende einer Phase signalisiert. Nicht als kontinuierliches Klangerlebnis.

Schritt-für-Schritt: Sakralen Raum einrichten

2+ Stunden vorher ankommen. Kein Hetzen. Dein eigenes Nervensystem muss ruhig sein, bevor du den Raum vorbereitest.

  1. Physisch reinigen: Boden wischen, Oberflächen abwischen, Müll entfernen, lüften.
  2. Aufräumen und reduzieren: Alles entfernen, was nicht zum Erfahrungsraum gehört. Alltagsgegenstände, Kabel, Schuhe, Taschen — alles in einen separaten Raum.
  3. Schlaf-/Sitzplätze einrichten: Matratzen, Matten, Kissen, Decken auslegen. Abstand prüfen. Bequemlichkeit testen.
  4. Altar/Fokuspunkt gestalten: In der Mitte oder an einer zentralen Stelle. Bewusst platzieren, nicht „dekorieren".
  5. Beleuchtung testen: Alle Lichtquellen durchschalten — von hell bis dunkel. Funktioniert der Dimmer? Sind die Kerzen sicher? Ist die Verdunklung ausreichend?
  6. Soundsystem testen: Musik abspielen, Lautstärke prüfen, Bluetooth-Verbindung überprüfen, Backup-Gerät bereit.
  7. Komfortstationen einrichten: Wasser, Snacks, Taschentücher, Wärmflaschen, Spuckbeutel — alles an seinem Platz.
  8. Notfallmaterial prüfen: Erste-Hilfe-Set vollständig? Telefon geladen? Krankenhausadresse sichtbar?
  9. Abschluss-Walkthrough: Geh den gesamten Raum ab — mit frischen Augen. Setze dich auf jeden Platz. Wie fühlt sich der Raum an? Was stört? Was fehlt?
  10. Eigene Ankunft: Setz dich in den fertigen Raum. Atme. Lass ihn auf dich wirken. Setze deine eigene Intention für den Tag.

Wenn du diese zehn Schritte mit Sorgfalt und Präsenz durchläufst, betreten deine Teilnehmern einen Raum, der sie empfängt — bevor ein einziges Wort gesprochen wird.

Die Gestaltung sakraler Räume in diesem Kontext ist ein Coaching-Werkzeug zur Atmosphärengestaltung — keine religiöse Praxis und kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Maßnahmen.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass die bewusste Gestaltung der Umgebung einen messbaren Einfluss auf die Erfahrungstiefe hat. Das Konzept des „Hubbard Room" — entwickelt in der frühen psychedelischen Forschung am Spring Grove Hospital — zeigte, dass ein ästhetisch gestalteter, warmer Raum mit natürlichen Elementen die Häufigkeit mystischer Erfahrungen signifikant erhöhte.

Richards, 2015 — Mircea Eliade, 1957: Der Unterschied zwischen „sakralem" und „profanem" Raum als grundlegende menschliche Orientierungskategorie.

Exercise

Übung — Altar bauen:

Nimm dir 30 Minuten und baue einen kleinen Altar — zu Hause, mit dem, was du hast. Keine Einkäufe, keine Bestellungen. Nur das, was da ist: eine Kerze, ein Stein, ein Blatt, ein Foto, ein Gegenstand mit Bedeutung.

Beobachte, wie sich der Raum verändert, wenn du bewusst etwas in seine Mitte stellst. Schreib drei Sätze darüber, was du spürst.