
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du verstehst die nicht-lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung bei Psychedelika Du kannst LSD- und Psilocybin-Dosierungstabellen differenziert erläutern Du weißt, welche individuellen Faktoren die Wirkung stärker beeinflussen als die Dosis Du kennst deine Rolle als Facilitator in der Dosierungsaufklärung
Dosierung & Wirkungsspektrum
Die nicht-lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass doppelte Dosis gleich doppelte Wirkung bedeutet. Bei Psychedelika ist die Beziehung zwischen Dosis und Wirkung ausdrücklich nicht-linear.
Die Steigerung von 75 µg auf 150 µg LSD verdoppelt nicht einfach die Intensität — sie kann die qualitative Natur der Erfahrung grundlegend verändern. Bei 75 µg erlebst du vielleicht verstärkte Farben und emotionale Offenheit. Bei 150 µg können vollständige visionäre Erfahrungen und tiefgreifende Veränderungen des Selbsterlebens einsetzen.
Das bedeutet: „Mehr" ist nicht „besser" — es ist fundamental „anders".
LSD Dosierungstabelle — Detailliert
| Bereich | Dosis | Subjektive Beschreibung | Begleitungsrelevanz |
|---|---|---|---|
| Schwellendosis | 10–25 µg | Subtile Stimmungsveränderung, leicht erhöhte Sinnesschärfe, kaum wahrnehmbar | Keine Begleitung erforderlich |
| Niedrig | 25–75 µg | Verstärkte Farben und Texturen, leichte emotionale Beweglichkeit, klareres Denken möglich | Begleitung empfohlen bei Ersterfhrungen |
| Mittel | 75–150 µg | Deutliche visuelle Veränderungen, Muster auf Oberflächen, tiefe emotionale Einsichten, verändertes Zeiterleben | Professionelle Begleitung empfohlen |
| Hoch | 150–250 µg | Intensive Visionen, mögliche Ego-Auflösung, mystische Erfahrungen, Kontrollverlust über den Erfahrungsverlauf | Erfahrener Facilitator unerlässlich |
| Sehr hoch | 250–400+ µg | Vollständige Ego-Auflösung, tiefgreifende mystische Zustände, intensive körperliche Empfindungen | Nur mit sehr erfahrener Begleitung, selten sinnvoll |
Psilocybin Dosierungstabelle (getrocknete P. cubensis)
| Bereich | Dosis | Subjektive Beschreibung | Begleitungsrelevanz |
|---|---|---|---|
| Schwellendosis | 0,1–0,5 g | Leichte Stimmungshebung, minimale Wahrnehmungsveränderung | Keine Begleitung erforderlich |
| Niedrig | 0,5–1,5 g | Emotionale Wärme, verstärkte Sinneswahrnehmung, leichte Visuals | Begleitung empfohlen bei Ersterfhrungen |
| Mittel | 1,5–3 g | Deutliche Wahrnehmungsveränderung, emotionale Prozesse, mögliche biografische Einsichten | Professionelle Begleitung empfohlen |
| Hoch | 3–5 g | Intensive visionäre Erfahrungen, Ego-Auflösung, mystische Zustände | Erfahrener Facilitator unerlässlich |
Warum Rezeptordichte wichtiger ist als Körpergewicht
Ein 90 kg schwerer Mensch braucht nicht unbedingt mehr LSD als ein 60 kg schwerer Mensch — ganz anders als bei den meisten anderen Substanzen. Der Grund: Die Wirkung hängt primär von der Dichte und Empfindlichkeit der 5-HT2A-Rezeptoren im Gehirn ab, nicht von der Verteilung der Substanz im Körpervolumen.
Weitere individuelle Faktoren:
- Genetische Enzymvarianten: CYP2D6-Polymorphismen beeinflussen den Metabolismus
- Aktuelle Medikation: SSRI können die Wirkung deutlich abschwächen oder verändern
- Persönliche Erfahrung: Erfahrene Teilnehmer navigieren ähnliche Dosen anders
- Psychologische Ausgangslage: Angst, Erwartung und aktuelle Lebenssituation formen die Erfahrung
Erstmalige Teilnehmer
Für Teilnehmer ohne Vorerfahrung gelten besondere Überlegungen:
- Beginne immer am unteren Ende des Dosierungsspektrums
- „Start low, go slow" — dies ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern ein Grundprinzip
- Die erste Erfahrung dient dem Kennenlernen der eigenen Empfindlichkeit
- Eine moderate erste Erfahrung schafft Vertrauen für zukünftige tiefere Erkundungen
- Eine überwältigende erste Erfahrung kann dagegen langfristig hinderlich sein
Deine Rolle als Facilitator in der Dosierungsaufklärung
Du bist nicht dafür verantwortlich, Dosierungen zu verschreiben oder zu verabreichen. Deine Aufgabe ist Aufklärung und Orientierung:
- Informieren: Erkläre sachlich die Dosierungsbereiche und was Teilnehmer auf verschiedenen Ebenen erwarten können
- Individualisieren: Berücksichtige Vorerfahrung, Medikation und psychologische Ausgangslage
- Orientieren: Hilf Teilnehmern, eine informierte Entscheidung zu treffen
- Begleiten: Sei auf jedes Intensitätsniveau vorbereitet, auch wenn die Dosis moderat erscheint
Denke immer daran: Dieselbe Dosis kann bei zwei verschiedenen Menschen fundamental unterschiedliche Erfahrungen auslösen.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Psychedelika um den Faktor 3–5 variieren kann. In klinischen Studien zeigen manche Teilnehmer bei 100 µg LSD intensive Erfahrungen, während andere bei derselben Dosis nur moderate Effekte berichten.
Holze et al., 2021, Clinical Pharmacology & Therapeutics — Die Rezeptordichte und genetische Varianten im Serotonin-System erklären einen Großteil dieser Variabilität.
Exercise
Die Dosierungstabellen in dieser Lektion sind Orientierungswerte, keine exakten Vorschriften. Jeder Mensch ist biologisch einzigartig, und verantwortungsvolle Begleitung berücksichtigt immer die individuelle Ausgangslage.