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Psychedelic Facilitation Training — Umfassende Ausbildung für professionelle psychedelische Begleitung.

Psychedelic Facilitation Training

Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.

What you'll learn

  • Du verstehst die Ursprünge und Kernprinzipien der Harm-Reduction-Bewegung
  • Du kennst die wichtigsten Substanztestverfahren und ihre Anwendung
  • Du kannst Set & Setting als zentrale Harm-Reduction-Strategie erklären und umsetzen
  • Du weißt, wie du Notfallprotokolle für psychedelische Settings vorbereitest

Harm Reduction — Prinzipien & Praxis

Ursprünge einer pragmatischen Philosophie

Harm Reduction (Schadensminimierung) entstand als Antwort auf das Scheitern rein prohibitiver Drogenpolitik. Pionierarbeit leisteten Städte wie Zürich, die in den 1980er Jahren mit pragmatischen Ansätzen begannen, und Portugal, das 2001 den persönlichen Substanzbesitz entkriminalisierte und stattdessen auf Aufklärung, Gesundheitsversorgung und niedrigschwellige Hilfsangebote setzte.

Die Grundhaltung: Menschen konsumieren Substanzen — unabhängig davon, ob sie legal sind. Unsere Aufgabe ist nicht moralische Bewertung, sondern die Minimierung der damit verbundenen Risiken.

Kernprinzipien der Harm Reduction

  1. Pragmatismus vor Idealismus: Akzeptiere die Realität des Substanzkonsums und arbeite innerhalb dieser Realität
  2. Respekt und Autonomie: Jeder Mensch hat das Recht auf informierte Entscheidungen über seinen eigenen Körper
  3. Evidenzbasierung: Maßnahmen basieren auf wissenschaftlicher Evidenz, nicht auf moralischen Urteilen
  4. Hierarchie der Ziele: Wenn Abstinenz nicht das Ziel ist, fokussiere auf die Reduktion der größten Risiken
  5. Niedrigschwelligkeit: Angebote müssen ohne Voraussetzungen zugänglich sein

Substanztesting — Wissen statt Raten

Einer der wirksamsten Harm-Reduction-Ansätze ist das Testen von Substanzen. Für den psychedelischen Kontext sind folgende Reagenzien relevant:

Ehrlich-Reagenz:

  • Testet auf das Vorhandensein von Indol-Verbindungen (Tryptamine und Lysergamide)
  • LSD und Psilocybin erzeugen eine violette/pinke Verfärbung
  • Erkennt, ob eine Substanz überhaupt ein Tryptamin/Lysergamid enthält
  • Erkennt NICHT die spezifische Substanz oder ihre Reinheit

Marquis-Reagenz:

  • Breitband-Identifikationstest für verschiedene Substanzklassen
  • MDMA erzeugt eine dunkelviolette/schwarze Reaktion
  • Hilfreich zur Abgrenzung verschiedener Substanzklassen

Hofmann-Reagenz:

  • Speziell für die Differenzierung von LSD und verwandten Substanzen
  • Kann LSD von 25x-NBOMe unterscheiden (eine potenziell gefährliche Verwechslung)

Drug-Checking-Services:

  • Professionelle Labore, die quantitative Analysen durchführen
  • In der Schweiz und Österreich sind institutionelle Drug-Checking-Angebote verfügbar
  • Liefern Informationen über Substanzidentität UND Dosierung

Set & Setting als Harm Reduction

Set und Setting sind nicht nur philosophische Konzepte — sie sind die vielleicht wirksamsten Harm-Reduction-Werkzeuge:

Set (innere Vorbereitung):

  • Psychologisches Screening vor der Erfahrung
  • Klärung von Intentionen und Erwartungen
  • Identifikation von Risikofaktoren (psychische Vorbelastung, Medikation)
  • Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Facilitator und Teilnehmer

Setting (äußere Rahmenbedingungen):

  • Sichere, komfortable Umgebung ohne unvorhersehbare Störungen
  • Angemessene Temperatur, Beleuchtung, Zugang zu Natur
  • Verfügbarkeit von Wasser, leichter Nahrung und Decken
  • Keine Zeitdruck-Situationen (genügend Raum für den gesamten Erfahrungsverlauf)

„Start Low, Go Slow"

Dieses Prinzip ist fundamental:

  • Beginne immer mit der niedrigsten sinnvollen Dosis
  • Warte den vollständigen Wirkungseintritt ab, bevor du Rückschlüsse ziehst
  • Bei LSD: Mindestens 90 Minuten warten, bevor die Wirkungsintensität beurteilt wird
  • Nachdosierung erhöht die Dauer oft mehr als die Intensität und ist in professionellen Settings selten sinnvoll

Notfallvorbereitung

Jedes professionelle psychedelische Setting benötigt ein Notfallprotokoll:

  • Psychologische Erste Hilfe: Ausgebildete Facilitatoren, die mit schwierigen Erfahrungen umgehen können
  • Medizinische Bereitschaft: Grundlegende Erste-Hilfe-Ausrüstung, Notfallkontakte, Kenntnis der nächsten Notaufnahme
  • Benzodiazepine: In klinischen Settings werden niedrigdosierte Benzodiazepine als Notfallmedikation für extreme Angstreaktion vorgehalten (nur von medizinischem Fachpersonal)
  • Kommunikationsplan: Klare Zuständigkeiten und Kommunikationswege im Notfall

Harm Reduction als Haltung

Für dich als Facilitator ist Harm Reduction keine Technik, die du gelegentlich anwendest — es ist eine grundlegende Haltung, die deine gesamte Arbeit durchzieht. Jede Entscheidung, die du im Rahmen einer psychedelischen Begleitung triffst, sollte durch die Linse der Schadensminimierung betrachtet werden.

Research Context

Die Entkriminalisierung des persönlichen Substanzbesitzes in Portugal (2001) wird häufig als Beispiel für die Wirksamkeit von Harm-Reduction-Ansätzen angeführt. Forschung deutet darauf hin, dass problematischer Konsum und substanzbedingte Todesfälle in den Jahren nach der Reform deutlich zurückgingen, während die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten stieg.

Hughes & Stevens, 2010, British Journal of Criminology — Zürich verfolgte bereits in den 1980er Jahren mit der kontrollierten Heroinabgabe einen ähnlich pragmatischen Ansatz.

Exercise

Harm Reduction ist keine Befürwortung von Substanzkonsum. Es ist die pragmatische Anerkennung, dass Menschen Substanzen konsumieren — und dass wir die Verantwortung haben, die damit verbundenen Risiken so weit wie möglich zu minimieren.