
Psychedelic Facilitation Training
Die umfassende Ausbildung für angehende psychedelische Facilitatoren. Von ethischer Haltung über Substanzkunde und Krisenintervention bis hin zu Integration und Gruppenarbeit — 14 Module für professionelle Begleitung.
What you'll learn
Du kennst die sechs Grundprinzipien psychedelischer Begleitung und kannst sie in eigenen Worten erklären Du verstehst den Unterschied zwischen Nicht-Direktivität und Passivität Du kannst die Container-Metapher anwenden und erklären, was sie für deine Praxis bedeutet
Die sechs Grundprinzipien
Als Facilitator brauchst du ein inneres Navigationssystem — einen Kompass, der dir in jeder Situation zeigt, was richtig ist. Die folgenden sechs Prinzipien sind dieser Kompass. Sie sind nicht verhandelbar. Sie sind das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.
1. Sicherheit geht vor — immer
Sicherheit hat drei Ebenen, und alle drei sind deine Verantwortung:
Physische Sicherheit
- Der Raum ist frei von Gefahrenquellen
- Notfallnummern und Erste-Hilfe-Ausrüstung sind griffbereit
- Du weißt, wo das nächste Krankenhaus ist
- Du bist nüchtern und körperlich in der Lage, im Notfall zu handeln
- Es gibt Wasser, Decken, bequeme Liegeflächen
Emotionale Sicherheit
- Der Mensch weiß, dass alles, was er erlebt und äußert, willkommen ist
- Es gibt keine Bewertung, kein Urteil, keine „richtige" Art, die Erfahrung zu machen
- Tränen, Schreien, Lachen, Stille — alles ist okay
- Du bist stabil genug, um intensive Emotionen auszuhalten, ohne selbst destabilisiert zu werden
Psychologische Sicherheit
- Vertraulichkeit ist garantiert
- Der Mensch hat informierte Zustimmung gegeben
- Er weiß, dass er jederzeit stoppen kann
- Nachbetreuung ist besprochen und organisiert
2. Nicht-Direktivität
Nicht-Direktivität bedeutet: Du unterstützt den Prozess, du steuerst ihn nicht. Du folgst, du führst nicht. Du öffnest Türen, du schiebst niemanden hindurch.
Das klingt einfach, ist aber eine der schwierigsten Fähigkeiten überhaupt. Denn wir sind konditioniert darauf, zu helfen, zu lösen, zu verbessern. Als Facilitator musst du diese Impulse erkennen und loslassen.
Nicht-Direktivität ist nicht dasselbe wie Passivität. Du bist hochaktiv — aber auf eine andere Art. Du bist aufmerksam. Du beobachtest. Du spürst, was gebraucht wird. Und manchmal ist das, was gebraucht wird, gar nichts.
Wann doch eingreifen?
Es gibt Momente, in denen du aus der nicht-direktiven Haltung heraustreten musst:
- Bei akuter Gefährdung (Selbstverletzung, panische Zustände)
- Wenn der Mensch dich explizit um Hilfe bittet
- Wenn du erkennst, dass sich jemand in einer Retraumatisierungsschleife befindet
3. Radikale Akzeptanz
Was auch immer auftaucht — es ist willkommen. Wut, Trauer, Ekstase, Terror, Verwirrung, Langeweile, sexuelle Energie, Erinnerungen, Fantasien. Nichts davon ist falsch, nichts davon ist unangemessen.
Radikale Akzeptanz bedeutet nicht, dass du alles toll findest. Es bedeutet, dass du nichts ablehnst. Du hältst den Raum für die gesamte menschliche Erfahrung — nicht nur für die angenehmen Teile.
Das erfordert, dass du dich mit deinen eigenen Schatten auseinandergesetzt hast. Wenn dich die Wut eines anderen Menschen triggert, wirst du sie nicht halten können. Wenn dich sexuelle Energie verunsichert, wirst du ausweichen. Wenn dich Trauer überfordert, wirst du ablenken.
Deine eigene innere Arbeit ist die Voraussetzung für radikale Akzeptanz.
4. Demut
Die Substanz leistet die Arbeit. Du nicht. Der Prozess des Menschen leistet die Arbeit. Du nicht. Die innere Weisheit des Menschen leistet die Arbeit. Du nicht.
Deine Rolle ist es, die Bedingungen zu schaffen, unter denen diese Arbeit geschehen kann. Das ist viel — aber es ist nicht alles. Verwechsle es nie.
Demut schützt dich auch vor einer der größten Gefahren für Facilitatoren: dem Helfersyndrom. Wenn du anfängst zu glauben, dass du besonders bist, dass du heilst, dass die Menschen ohne dich verloren wären — dann bist du auf einem gefährlichen Weg.
5. Präsenz über Technik
Du wirst in diesem Kurs viele Techniken lernen. Atemübungen, Beruhigungsstrategien, Kriseninterventionsprotokolle, Gesprächsführungstechniken. All das ist wichtig und nützlich.
Aber die wichtigste „Technik" ist keine Technik: Es ist deine Fähigkeit, vollständig anwesend zu sein. Mit deinem ganzen Wesen da zu sein. Nicht über das Abendessen nachzudenken, nicht dein Handy zu checken, nicht innerlich Diagnosen zu stellen.
Stephen Porges' Polyvagal-Theorie zeigt uns, warum das so wirkt: Dein reguliertes Nervensystem sendet unbewusst Signale der Sicherheit an das Nervensystem des anderen Menschen. Diese Ko-Regulation ist mächtiger als jede Technik.
6. Der Container
Die Container-Metapher ist zentral für die Facilitation. Stell dir vor, du baust ein Gefäß — stark genug, um intensive Prozesse zu halten, weich genug, um Schutz zu bieten, durchlässig genug, um frische Luft hereinzulassen.
Du erschaffst das Gefäß. Du füllst es nicht. Was hineinkommt, bestimmt der Mensch und sein Prozess.
Der Container hat mehrere Schichten:
- Physischer Container: Der Raum, die Umgebung, die materielle Sicherheit
- Zeitlicher Container: Klare Anfangs- und Endzeiten, Struktur des Tages
- Emotionaler Container: Deine Präsenz, deine Stabilität, dein Mitgefühl
- Energetischer Container: Die Qualität der Aufmerksamkeit im Raum
- Sozialer Container: Die Vereinbarungen, die Vertraulichkeit, das Gruppengefüge
Je stärker dein Container ist, desto tiefer kann der Mensch gehen. Er muss sich keine Sorgen machen, ob das Gefäß hält — das ist dein Job.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass nicht-direktive Ansätze in der psychedelischen Begleitung mit tieferen mystischen Erfahrungen und besseren langfristigen Ergebnissen assoziiert sind als stark strukturierte Protokolle.
Haijen et al., 2018 — Die Qualität der Begleitung — nicht ihre Intensität — ist der entscheidende Faktor.
Exercise
Praktische Übung:
Setze dich für 20 Minuten mit einer Person zusammen, die dir etwas Wichtiges erzählt. Deine einzige Aufgabe: Zuhören, ohne zu antworten. Kein Ratschlag, keine Frage, kein „Ich kenne das auch". Nur Präsenz.
Beobachte danach, wie sich das für euch beide angefühlt hat. Was war schwer? Was war überraschend?