
Psychedelische Integration
Der umfassende Integrationskurs für alle, die eine psychedelische Erfahrung verarbeiten und in ihr Leben einbetten möchten. Von Neurowissenschaft über Schattenarbeit bis hin zu Langzeit-Integration — 12 Module für nachhaltigen Wandel.
What you'll learn
Du kannst gesunde Grenzen setzen, ohne dich zu verschließen Du verstehst den Unterschied zwischen Verletzlichkeit und Überteilung Du entwickelst eine Balance zwischen Offenheit und Selbstschutz
Zwischen Offenheit und Schutz
Psychedelische Erfahrungen können dein Herz weit öffnen. Du fühlst dich verbunden, verletzlich, offen. Das ist wunderschön — und riskant.
Denn nicht jeder Raum ist sicher genug für diese Offenheit. Und nicht jeder Mensch in deinem Leben hat die Fähigkeit oder Bereitschaft, deine Verletzlichkeit zu halten.
Was sind gesunde Grenzen?
Grenzen sind keine Mauern. Sie sind Membrane — sie lassen rein, was nährt, und halten draußen, was schadet. Gesunde Grenzen sind:
- Flexibel: Sie passen sich dem Kontext an
- Klar: Du weißt, wo sie sind, und kommunizierst sie
- Selbstfürsorglich: Sie dienen deinem Wohlbefinden
- Respektvoll: Sie verletzen niemand anderen
Nach psychedelischen Erfahrungen verschieben sich Grenzen oft:
Zu durchlässig: Du teilst zu viel, zu schnell, mit den falschen Menschen. Du bist so offen, dass du dich ungeschützt fühlst.
Zu starr: Du ziehst dich zurück, baust Mauern, weil niemand versteht. Du schützt dich so sehr, dass du einsam wirst.
Neu kalibriert: Du erkennst, wo Grenzen gefehlt haben, und setzt zum ersten Mal klare Grenzen. Das kann sich ungewohnt und schuldbehaftet anfühlen.
Verletzlichkeit vs. Überteilung
Brené Brown unterscheidet klar:
Verletzlichkeit = Sich bewusst in einem sicheren Raum zeigen. Das Risiko eingehen, gesehen zu werden, mit dem Wissen, dass das Gegenüber es halten kann.
Überteilung = Sich wahllos entblößen, ohne den Raum zu prüfen. Intimität erzwingen, statt sie wachsen zu lassen. Nicht Verletzlichkeit — sondern ein Versuch, schnell Verbindung herzustellen.
Prüffragen vor dem Teilen:
- Vertraue ich dieser Person?
- Hat sie die Kapazität, zuzuhören?
- Teile ich, um Verbindung zu schaffen — oder um Bestätigung zu bekommen?
- Ist dieser Moment geeignet?
- Wie werde ich mich danach fühlen?
Grenzen setzen in der Praxis
„Nein" sagen, ohne sich zu rechtfertigen
„Ich möchte darüber gerade nicht sprechen." Punkt. Du musst dein Nein nicht begründen.
„Ja" sagen, wenn du Ja meinst
Wenn dein Herz Ja sagt, aber dein Kopf Angst hat — prüfe, ob die Angst dich schützt oder einschränkt.
Grenzen kommunizieren
- „Ich brauche gerade Ruhe."
- „Das Thema ist mir wichtig, und ich möchte zu einem besseren Zeitpunkt darüber reden."
- „Ich schätze dein Interesse, aber ich bin noch nicht bereit, darüber zu sprechen."
- „Ich kann das Gespräch führen, wenn du bereit bist, ohne zu urteilen."
Grenzen halten
Grenzen setzen ist Schritt 1. Grenzen halten ist Schritt 2. Das bedeutet: Wenn jemand deine Grenze überschreitet, sagst du es erneut. Ruhig, klar, konsequent.
Integration als Beziehungsarbeit
Integration geschieht nicht nur in dir — sie geschieht zwischen dir und anderen. Jede ehrliche Grenze, jedes verletzliche Gespräch, jede mutige Bitte ist ein Akt der Integration.
Du lernst, authentischer zu leben. Und authentische Beziehungen beginnen mit authentischen Grenzen.
Grenzen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein Zeichen davon, dass du weißt, wer du bist.
Research Context
Brené Brown (2012) zeigte in ihrer Forschung, dass Verletzlichkeit — die Bereitschaft, sich emotional zu zeigen — nicht Schwäche, sondern die Grundlage für tiefe Verbindung, Kreativität und Zugehörigkeit ist.
Gleichzeitig betonte sie: Verletzlichkeit ohne Grenzen ist keine Verletzlichkeit — es ist Selbstpreisgabe.
Exercise
Übung: Grenzen-Inventar
Für jede deiner wichtigen Beziehungen:
- Wo sage ich zu oft Ja, obwohl ich Nein meine?
- Wo sage ich zu oft Nein, obwohl ich Ja fühle?
- Welche Grenze wurde kürzlich überschritten?
- Was bräuchte ich, um mich sicherer zu fühlen?
- Was könnte ich als nächsten kleinen Schritt tun?
→ Wähle eine Grenze und formuliere sie als klare Ich-Aussage: „Ich brauche ___. Deshalb bitte ich dich, ___."