
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du hast eine tägliche Praxis für die Arbeit mit deiner Intention Du weißt, wie du die Intention ins Alltagsleben einwebst Du bist vorbereitet auf den Umgang mit deiner Intention am Tag des Retreats
Von der Idee zur Praxis
Du hast in den letzten beiden Lektionen verstanden, was eine Intention ist, wie sie sich von Erwartungen unterscheidet und wie du deine tiefere Intention finden kannst. Das ist die Theorie.
Jetzt kommt der Teil, der den wirklichen Unterschied macht: Mit der Intention leben. Nicht nur einmal aufschreiben und vergessen, sondern sie zu einer lebendigen Praxis machen — in den Wochen vor deinem Retreat und am Tag der Erfahrung selbst.
Warum tägliche Praxis wichtig ist
Eine Intention, die du einmal formulierst und dann in eine Schublade legst, hat wenig Kraft. Nicht weil sie falsch ist, sondern weil sie nicht verkörpert ist.
Denk an den Unterschied zwischen einem Lied, das du einmal hörst, und einem Lied, das du wochenlang immer wieder hörst. Das zweite Lied wird Teil von dir. Du summst es beim Kochen. Es taucht in deinen Gedanken auf. Es hat sich in dein Nervensystem eingeschrieben.
Genau das willst du mit deiner Intention tun: Sie nicht nur denken, sondern sie leben — bis sie so vertraut ist, dass sie dich auch dann begleitet, wenn dein bewusster Verstand nicht mehr die Kontrolle hat.
Forschung deutet darauf hin, dass der Prozess der Auseinandersetzung mit der Intention — also die Wochen der bewussten Arbeit damit — einen stärkeren Einfluss auf die Qualität der Erfahrung hat als die spezifische Formulierung der Intention selbst. Es geht nicht darum, die „perfekte" Intention zu finden. Es geht darum, dich mit deiner Intention vertraut zu machen.
Die Morgenpraxis
Die einfachste und wirksamste Methode, die Intention lebendig zu halten, ist eine kurze Morgenpraxis. Keine 30 Minuten Meditation. Keine komplizierten Rituale. Fünf Minuten.
Der Ablauf:
Aufwachen — vor dem Handy. Das ist der schwierigste Teil. Dein Handy liegt neben dem Bett, und der Impuls, auf den Bildschirm zu schauen, ist stark. Widerstehe. Fünf Minuten. Alles andere kann warten.
Aufrecht sitzen. Nicht im Bett liegend, nicht eingerollt. Aufrecht. Füße am Boden. Diese Haltung signalisiert deinem Körper: Ich bin wach und präsent.
Drei Atemzüge. Langsam einatmen durch die Nase. Langsam ausatmen durch den Mund. Drei Mal. Das ist kein Atemtraining — es ist ein Übergang. Von Schlaf zu Wachheit. Von Autopilot zu Bewusstheit.
Intention aussprechen. Leise oder in Gedanken. Einmal. Nicht wie ein Mantra, das du wiederholst, sondern wie eine Begrüßung. „Ah, da bist du."
Körper spüren. Wo reagiert der Körper auf die Intention? Gibt es eine Veränderung — Wärme, Weite, Enge, ein Ziehen? Beobachte, ohne zu bewerten.
Loslassen. Öffne die Augen. Steh auf. Beginne deinen Tag.
Das dauert weniger als fünf Minuten. Mach es jeden Tag, mindestens zwei Wochen vor dem Retreat. Du wirst merken, wie sich deine Beziehung zur Intention verändert — von einem Gedanken zu einem Gefühl.
Die Intention im Alltag
Die Morgenpraxis ist der bewusste Kontakt. Aber die Intention arbeitet auch dann, wenn du nicht aktiv an sie denkst. Hier sind Wege, wie du sie im Alltag lebendig hältst:
Anker setzen
Wähle einen alltäglichen Moment, der dich an deine Intention erinnert:
- Jedes Mal, wenn du eine Tür öffnest — kurzer Kontakt mit der Intention
- Beim ersten Schluck Kaffee oder Tee — einen Atemzug mit der Intention
- Wenn du dein Handy in die Hand nimmst — bevor du den Bildschirm entsperrst, eine Sekunde innehalten
Das sind keine dramatischen Rituale. Das sind Mikro-Momente der Erinnerung. Und sie funktionieren erstaunlich gut.
Natur als Spiegel
Wenn du die Möglichkeit hast, Zeit in der Natur zu verbringen, nimm deine Intention mit nach draußen. Nicht als Übung, sondern als Begleitung.
Geh spazieren. Beobachte, was dir auffällt. Manchmal spiegelt die Natur überraschend genau, was in dir vorgeht: ein Baum, der trotz gebrochenem Ast weiter wächst. Ein Bach, der sich seinen Weg sucht, ohne zu kämpfen. Eine Wolke, die sich auflöst und gleichzeitig neu formt.
Das ist kein esoterisches Deuten von Zeichen. Das ist Wahrnehmungsschulung. Du trainierst dein Gehirn, Verbindungen zu sehen — zwischen deiner inneren Welt und der äußeren. Genau das wird dir während der psychedelischen Erfahrung helfen.
Schreiben als Praxis
Dein Journal ist dein wichtigstes Werkzeug in diesen Wochen. Nicht als Tagebuch im klassischen Sinne, sondern als Raum für ehrlichen Dialog mit dir selbst.
Drei Journaling-Formate für die Intentionsarbeit:
Tagesrückblick (abends, 5 Min): „Ist die Intention heute aufgetaucht? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum nicht?"
Freies Schreiben (2–3 Mal pro Woche, 10 Min): Schreib ohne Ziel. Lass die Hand schreiben, nicht den Kopf. Überraschungen sind erlaubt und erwünscht.
Dialog-Schreiben (1 Mal pro Woche, 15 Min): Schreib einen imaginären Dialog mit deiner Intention. Du fragst, die Intention antwortet. Klingt merkwürdig, funktioniert aber. „Intention, was brauchst du von mir?" — und dann schreib, was kommt.
Gespräche
Sprich über deine Intention. Nicht mit jedem. Nicht auf Social Media. Aber mit einer Person, der du vertraust.
Es gibt einen Unterschied zwischen einer Intention, die nur in deinem Kopf existiert, und einer, die du laut ausgesprochen hast. Das Aussprechen macht sie realer. Es gibt ihr Gewicht. Und manchmal hörst du beim Sprechen selbst, dass sich die Intention verändert hat — dass sie reifer geworden ist seit letzter Woche.
Wenn die Intention sich verändert
Das passiert. Und es ist gut.
Du startest vielleicht mit: „Ich will meine Angst verstehen." Nach zwei Wochen Arbeit merkst du: „Es geht gar nicht um die Angst. Es geht um Kontrolle. Ich habe Angst, weil ich das Gefühl habe, die Kontrolle zu verlieren."
Und eine Woche später: „Eigentlich geht es darum, ob ich dem Leben vertrauen kann."
Die Intention wandert nach innen. Sie wird tiefer, ehrlicher, essentieller. Lass sie wandern. Klammere dich nicht an die erste Formulierung. Dokumentiere die Veränderung in deinem Journal — sie ist Teil des Prozesses.
Am Tag des Retreats
Der Tag ist da. Du hast Wochen mit deiner Intention verbracht. Du kennst sie. Sie kennt dich. Was jetzt?
Morgens:
- Mach deine Morgenpraxis wie gewohnt. Nichts Besonderes. Kein extra langer Moment. Einfach der vertraute Kontakt.
- Sprich die Intention einmal aus — für dich oder zu deinem Coach.
Vor der Erfahrung:
- In den meisten begleiteten Settings gibt es einen Moment, in dem du deine Intention teilen kannst. Nutze ihn.
- Sprich sie so aus, wie sie sich jetzt anfühlt — nicht wie du sie vor zwei Wochen formuliert hast.
Während der Erfahrung:
- Die Intention ist da. Du musst sie nicht aktiv denken.
- Wenn du dich verloren fühlst oder Orientierung brauchst, kannst du sie still erinnern: „Meine Intention ist..." — und dann wieder loslassen.
- Wenn die Erfahrung dich woandershin führt — folge. Die Erfahrung weiß manchmal besser als dein Verstand, was du brauchst.
Nach der Erfahrung:
- Schreib so bald wie möglich auf, was passiert ist — nicht interpretieren, nur beschreiben.
- Vergleiche nicht sofort mit deiner Intention. Manchmal braucht es Tage oder Wochen, um zu sehen, wie die Erfahrung und die Intention zusammenhängen.
Die Intention als Lebensbegleiter
Viele Teilnehmer berichten, dass ihre Intention über das Retreat hinaus weiterlebt. Sie wird zu einem Kompass, der auch im Alltag Orientierung gibt — bei Entscheidungen, in Beziehungen, in Momenten der Unsicherheit.
Das ist kein Zufall. Du hast Wochen damit verbracht, ein tiefes Bedürfnis zu benennen und zu verkörpern. Diese Arbeit verschwindet nicht nach dem Retreat. Sie bleibt.
Und manchmal — oft erst Wochen oder Monate später — merkst du, dass sich etwas verändert hat. Nicht dramatisch. Nicht von einem Tag auf den anderen. Aber grundlegend.
Das ist die Kraft einer verkörperten Intention.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Research Context
Eine Studie mit über 600 Teilnehmern zeigte, dass die „persönliche Vorbereitung" — einschließlich Intentionsarbeit — einer der stärksten Prädiktoren für positive psychedelische Erfahrungen war. Interessanterweise war nicht die Intention selbst entscheidend, sondern der Prozess der Auseinandersetzung damit in den Wochen vor der Erfahrung.
Exercise
Übung: Die 5-Minuten-Morgenpraxis (täglich, 2+ Wochen vor dem Retreat)
Jeden Morgen, bevor du dein Handy anschaust:
- Setz dich aufrecht hin. Füße am Boden. Augen geschlossen.
- 3 tiefe Atemzüge. Einatmen durch die Nase, Ausatmen durch den Mund.
- Sprich deine Intention leise oder in Gedanken. Einmal.
- Spüre in den Körper. Wo reagiert er? Gibt es Wärme, Weite, Enge?
- Lass los. Öffne die Augen. Beginne deinen Tag.
Keine Analyse. Kein Grübeln. Nur Kontakt aufnehmen — wie ein kurzes Nicken an einen alten Freund.
Notiere abends in einem Satz, ob und wie die Intention im Lauf des Tages aufgetaucht ist.