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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

What you'll learn

  • Du kannst mindestens 20 verschiedene emotionale Zustände identifizieren und benennen
  • Du unterscheidest zwischen Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken

„Mir geht es gut" — Die größte Lüge des Alltags

Emotionsrad nach Plutchik mit Grundemotionen und ihren Nuancen — von Angst über Trauer bis Freude

Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, sagst du wahrscheinlich: „Gut." Oder: „Okay." Oder: „Muss ja."

Das sind keine Emotionen. Das sind Ausweichmanöver. Und wir alle benutzen sie, weil uns nie beigebracht wurde, präziser zu sein.

Das Problem: Wenn du deine Emotionen nicht benennen kannst, kannst du sie auch nicht regulieren. Du spürst „irgendwas Unangenehmes" und reagierst darauf — aber du weißt nicht genau, was es ist. Und wenn du nicht weißt, was es ist, weißt du auch nicht, was du brauchst.

Sprache gibt Halt. Je genauer du benennen kannst, was du fühlst, desto weniger Macht hat das Gefühl über dich.

Warum das für dein Retreat entscheidend ist

Während einer psychedelischen Erfahrung können Emotionen in einer Intensität auftauchen, die du im Alltag nicht kennst. Trauer, die sich anfühlt wie ein Ozean. Freude, die deinen ganzen Körper durchflutet. Angst ohne erkennbare Ursache. Zärtlichkeit für Dinge, die du normalerweise nicht bemerkst.

In solchen Momenten ist Sprache ein Anker. Nicht um die Erfahrung zu analysieren — sondern um ihr eine Form zu geben. „Das ist Trauer" ist ein Satz, der dich auf dem Boden hält, wenn das Gefühl dich sonst davontragen würde.

Und wenn du mit deinen Begleitern kommunizierst, hilft ein präzises Wort mehr als zehn vage: „Ich spüre Scham" ist hilfreicher als „Es ist irgendwie komisch."

Die drei Ebenen: Empfindung — Emotion — Gedanke

Die meisten Menschen werfen drei verschiedene Dinge in einen Topf. Aber sie zu unterscheiden ist eine der nützlichsten Fähigkeiten, die du lernen kannst.

Körperempfindung

Was dein Körper meldet. Roh, direkt, ohne Interpretation.

Beispiele: Enge in der Brust. Wärme im Bauch. Kribbeln in den Händen. Schwere in den Beinen. Kloß im Hals. Flattern im Magen. Druck hinter den Augen.

Körperempfindungen sind Daten. Sie sagen dir, dass etwas passiert — aber nicht, was.

Emotion

Die Bedeutung, die dein Gehirn der Empfindung gibt.

Enge in der Brust + Interpretation = Angst. Oder Aufregung. Oder Trauer. Die gleiche Körperempfindung kann verschiedenen Emotionen entsprechen.

Beispiele: Angst. Trauer. Freude. Wut. Scham. Ekel. Überraschung. Sehnsucht. Dankbarkeit. Neid. Eifersucht. Reue. Stolz. Verachtung. Zärtlichkeit. Ehrfurcht. Melancholie. Nostalgie. Frustration. Ungeduld.

Das sind 20 Emotionen. Die meisten Menschen nutzen im Alltag 5–7.

Gedanke

Die Geschichte, die dein Kopf daraus macht.

„Ich habe Angst" (Emotion) → „Ich werde das nicht schaffen" (Gedanke) „Ich bin traurig" (Emotion) → „Ich war nie gut genug" (Gedanke) „Ich bin wütend" (Emotion) → „Die anderen sind schuld" (Gedanke)

Gedanken sind keine Fakten. Sie sind Interpretationen. Und sie können falsch sein, selbst wenn sie sich absolut wahr anfühlen.

Das Emotionsrad

Psychologen wie Robert Plutchik haben Modelle entwickelt, die Emotionen in Familien einteilen. Eine vereinfachte Version für deine Praxis:

Angst-Familie: Nervosität, Sorge, Panik, Beklemmung, Unsicherheit, Schrecken, Grauen Trauer-Familie: Wehmut, Melancholie, Einsamkeit, Verlust, Kummer, Sehnsucht, Leere Wut-Familie: Irritation, Frustration, Zorn, Empörung, Bitterkeit, Groll, Verachtung Freude-Familie: Zufriedenheit, Begeisterung, Dankbarkeit, Verspieltheit, Stolz, Leichtigkeit, Euphorie Scham-Familie: Verlegenheit, Schuld, Peinlichkeit, Unwürdigkeit, Bloßstellung Überraschung-Familie: Staunen, Ehrfurcht, Verwunderung, Fassungslosigkeit, Verwirrung

Jedes Hauptgefühl hat Nuancen. Und je genauer du die Nuance triffst, desto besser kannst du dich orientieren.

Die Praxis: Empfindung → Emotion → Bedürfnis

Hier ist eine Kette, die du üben kannst — im Alltag und später während deines Retreats:

  1. Was spüre ich im Körper? (Enge, Wärme, Druck, Kribbeln …)
  2. Welche Emotion ist das? (Angst? Trauer? Freude? Scham?)
  3. Was brauche ich gerade? (Sicherheit? Verbindung? Raum? Stille?)

Diese drei Fragen sind ein Kompass. Sie helfen dir, dich zu orientieren, wenn die innere Landschaft unübersichtlich wird.

Beispiel:

  • Körper: Schwere in der Brust, feuchte Augen
  • Emotion: Trauer — genauer: Sehnsucht nach Verbindung
  • Bedürfnis: Nähe. Oder: Jemand, der einfach da ist.

Ein Wort über „positive" und „negative" Emotionen

Es gibt keine negativen Emotionen. Es gibt angenehme und unangenehme Emotionen. Aber alle haben eine Funktion:

  • Angst schützt dich
  • Trauer ehrt, was dir wichtig ist
  • Wut zeigt, wo deine Grenzen verletzt werden
  • Scham signalisiert, dass du dich aus deiner Gruppe ausgeschlossen fühlst
  • Ekel hält dich von Schädlichem fern

In einer psychedelischen Erfahrung können alle diese Emotionen auftauchen — manchmal gleichzeitig, manchmal in schneller Folge. Wenn du sie benennen kannst, bleibst du handlungsfähig. Wenn nicht, verschwimmst du in einem Nebel aus „mir geht es irgendwie nicht gut".

Sprache ist dein Anker. Übe sie.

Research Context

Eine fMRT-Studie zeigte, dass das bloße Benennen von Emotionen — sogenanntes „Affect Labeling" — die Aktivität der Amygdala signifikant reduziert. Je präziser die Benennung, desto stärker der Effekt. Wer „Ich fühle eine bittere Enttäuschung mit einem Stich Scham" sagen kann statt nur „Ich fühle mich schlecht", hat mehr emotionale Regulierung zur Verfügung.

Lieberman et al., 2007

Exercise

Übung: Emotionaler Tagesbericht (7 Tage, je 5 Min)

Schreib jeden Abend 3 Emotionen auf, die du heute gespürt hast. Aber: Verwende nicht dieselben Wörter zweimal in einer Woche.

Tag 1: „Irritation, Zuneigung, Unruhe"

Tag 2: „Wehmut, Stolz, Langeweile"

Tag 3: Andere Wörter.

Du wirst merken: Nach Tag 3 wird es anspruchsvoll. Genau da wird es interessant. Du musst genauer hinspüren, um genauere Worte zu finden.