
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du kannst 3 einfache Meditationstechniken praktizieren Du verstehst, was Meditation tatsächlich trainiert — und was nicht
Vergiss alles, was du über Meditation zu wissen glaubst
„Ich kann nicht meditieren. Mein Kopf ist zu laut."
Diesen Satz hören wir ständig. Und er basiert auf einem Missverständnis, das sich hartnäckig hält: Meditation bedeutet, den Kopf leer zu machen.
Nein. Das tut sie nicht.
Meditation bedeutet: Bemerken, was in deinem Kopf passiert — ohne es zu bewerten und ohne ihm zu folgen. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Dein Kopf wird nicht still. Gedanken kommen. Immer. Bei jedem. Auch bei Menschen, die seit 30 Jahren meditieren.
Der Punkt ist nicht Stille. Der Punkt ist Beobachtung.
Warum Meditation für dein Retreat relevant ist
Während einer psychedelischen Erfahrung wird dein inneres Erleben intensiver. Emotionen werden stärker. Gedanken werden schneller oder seltsamer. Sinneseindrücke verändern sich.
In solchen Momenten brauchst du eine Fähigkeit, die Meditation trainiert: Die Fähigkeit, etwas wahrzunehmen, ohne davon mitgerissen zu werden.
Das ist kein mystisches Konzept. Es ist ein praktisches Werkzeug. Wenn intensive Angst auftaucht, macht es einen Unterschied, ob du denkst „Ich bin die Angst" oder „Ich bemerke, dass Angst da ist."
Dieser Unterschied — so klein er klingt — ist in der Praxis enorm.
Technik 1: Atemanker — Atem zählen
Die einfachste Meditationsform. Kein Beiwerk, kein Ritual, kein Schnickschnack.
So geht's (5 Minuten):
- Sitz bequem. Augen schließen oder weichen Blick auf den Boden richten.
- Atme natürlich. Verändere nichts am Atem.
- Zähle jedes Ausatmen: Ein … Zwei … Drei … bis Zehn.
- Bei Zehn angekommen? Fang wieder bei Eins an.
- Gedanken kommen? Kein Problem. Bemerke es, geh zurück zu Eins.
Das ist alles. Kein Versagen, wenn du bei Vier schon abdriftest. Das Abdriften und Zurückkehren ist die Übung. Jedes Mal, wenn du merkst, dass dein Kopf woanders war, und du zurückkommst — das ist ein Wiederholung für deinen Aufmerksamkeitsmuskel.
Die meisten Menschen starten und schaffen es anfangs selten bis Zehn. Das ist vollkommen normal. Es bedeutet nicht, dass du „schlecht" meditierst.
Technik 2: Noting — Gedanken benennen
Diese Technik kommt aus der Vipassana-Tradition und wurde von dem Meditationslehrer Shinzen Young weiterentwickelt.
So geht's (5 Minuten):
- Sitz bequem. Augen geschlossen.
- Beobachte, was in deinem Bewusstsein auftaucht.
- Benenne es mit einem einfachen Wort:
- Ein Gedanke? → „Denken"
- Ein Geräusch? → „Hören"
- Ein Körpergefühl? → „Fühlen"
- Ein Bild? → „Sehen"
- Keine Details. Kein Nachdenken über den Inhalt. Nur das Label.
- Nächste Wahrnehmung. Nächstes Label. Weiter.
Warum es funktioniert: Benennen schafft Abstand. Statt im Gedanken zu verschwinden, stehst du einen Schritt daneben und sagst: „Ah, ein Gedanke." Das ist genau die Fähigkeit, die du brauchst, wenn unter Psychedelika intensive innere Inhalte auftauchen. Du lernst: Ich kann beobachten, ohne mich zu verlieren.
Technik 3: Offene Wahrnehmung
Für manche Menschen funktioniert freie, ungerichtete Aufmerksamkeit besser als fokussierte Techniken. Offene Wahrnehmung ist wie ein weiter Blick — du richtest deine Aufmerksamkeit nirgendwo hin, sondern lässt alles gleichzeitig da sein.
So geht's (5 Minuten):
- Sitz bequem. Augen leicht geöffnet, weicher Blick.
- Nimm alles wahr, was da ist — Geräusche, Körper, Gedanken, Raum.
- Bevorzuge nichts. Drücke nichts weg.
- Wenn du merkst, dass du an etwas „festhängst" (einem Gedanken, einem Geräusch), löse dich sanft und weite die Aufmerksamkeit wieder.
- Stell dir vor, dein Bewusstsein ist wie ein weiter Himmel — Gedanken und Empfindungen ziehen wie Wolken durch.
Warum es funktioniert: Offene Wahrnehmung trainiert eine Qualität, die in der psychedelischen Erfahrung besonders wertvoll ist: Die Fähigkeit, mit dem Unbekannten zu sein, ohne es einordnen zu müssen. Nicht fokussieren, nicht kontrollieren — einfach da sein.
Der „beobachtende Geist"
Alle drei Techniken trainieren dasselbe: den beobachtenden Geist. Den Teil von dir, der bemerkt, was passiert — ohne es zu bewerten, zu verändern oder zu bekämpfen.
Du bist nicht deine Gedanken. Du bist nicht deine Gefühle. Du bist das Bewusstsein, in dem Gedanken und Gefühle auftauchen.
Klingt philosophisch? Ist es auch. Aber es ist gleichzeitig extrem praktisch. Denn wenn du in deinem Retreat in einem Moment intensiver Angst bist, macht es einen enormen Unterschied, ob du einen inneren Beobachter hast, der sagen kann: „Angst ist da. Ich atme. Ich bin sicher."
Die häufigsten Frustrationen
- „Ich kann es nicht." — Doch. Du machst es gerade. Jedes Bemerken, dass du abgedriftet bist, ist Meditation.
- „Es passiert nichts." — Meditation ist keine Show. Der Effekt entsteht über Wochen, nicht in einer Sitzung.
- „Ich schlafe ein." — Meditiere im Sitzen, nicht im Liegen. Augen leicht geöffnet hilft.
- „Ich werde unruhiger." — Normal in den ersten Wochen. Du wirst nicht unruhiger — du bemerkst die Unruhe, die schon da war.
Dein Plan: 5 Minuten am Tag
Nicht 30 Minuten. Nicht eine Stunde. 5 Minuten. Jeden Tag. Morgens nach dem Aufwachen oder abends vor dem Schlafengehen.
5 Minuten sind kurz genug, dass dein innerer Widerstand keine Chance hat. Und lang genug, dass sich über Wochen ein echter Effekt aufbaut.
Starte heute. Nicht morgen.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass regelmäßige Meditation die Fähigkeit stärkt, mit intensiven inneren Erfahrungen umzugehen. Eine Meta-Analyse zeigte, dass Meditation die Aufmerksamkeitsregulation, emotionale Regulation und das Körperbewusstsein messbar beeinflusst — alles Fähigkeiten, die während einer psychedelischen Erfahrung relevant werden.
Sedlmeier et al., 2012
Exercise
Übung: Deine 5-Minuten-Praxis
Wähle eine der drei Techniken aus dieser Lektion. Stell dir einen Timer auf 5 Minuten. Mach es jetzt — nicht morgen, nicht „wenn ich Zeit habe". 5 Minuten. Das ist weniger als ein YouTube-Video.
Notiere danach im Journal:
- Welche Technik habe ich gewählt?
- Was habe ich bemerkt?
- Was war schwierig?
- Werde ich es morgen nochmal machen?
Wiederhole das 7 Tage lang. Am achten Tag lies deine Notizen von Tag 1.