
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du weißt, wann professionelle medizinische Abklärung vor einem Retreat nötig ist Du kennst die wichtigsten Kontraindikationen Du verstehst, warum Ehrlichkeit gegenüber dem Retreat-Team nicht verhandelbar ist
Sicherheit ist nicht verhandelbar
Dies ist die sachlichste Lektion dieses Moduls. Und eine der wichtigsten.
Psychedelische Erfahrungen sind für die meisten gesunden Erwachsenen bei korrekter Begleitung und Vorbereitung sicher. Das zeigt die aktuelle Forschung klar. Aber „die meisten" ist nicht „alle". Und es gibt Situationen, in denen eine psychedelische Erfahrung nicht sicher ist — oder in denen vorher eine professionelle Abklärung nötig ist.
Wir als Coaches und Facilitator können und dürfen keine medizinischen Diagnosen stellen oder medizinische Beratung geben. Das ist nicht unser Fachgebiet. Was wir tun können: dir die richtigen Fragen stellen, dich auf potenzielle Risiken hinweisen und dich ermutigen, professionelle medizinische Beratung einzuholen, wenn es nötig ist.
Absolute Kontraindikationen
Es gibt Zustände, bei denen die Forschung eindeutig davon abrät, an psychedelischen Sitzungen teilzunehmen. Diese sind nicht diskutierbar:
Psychotische Erkrankungen
- Schizophrenie (aktiv oder in Remission)
- Schizoaffektive Störung
- Aktive psychotische Episoden jeder Art
Psychedelische Substanzen können psychotische Symptome auslösen oder verstärken. Die Studien an der Johns Hopkins University und am Imperial College London schließen Personen mit psychotischen Erkrankungen konsequent aus — nicht aus Diskriminierung, sondern aus dokumentierter Sicherheitsbedenken.
Bipolare Störung Typ I
Personen mit Bipolar-I-Störung haben ein erhöhtes Risiko für manische Episoden unter dem Einfluss psychedelischer Substanzen. Forschung deutet darauf hin, dass das Risiko auch nach der eigentlichen Erfahrung erhöht bleiben kann.
Hinweis: Bei Bipolar-II ist die Datenlage weniger eindeutig. Einige Forschergruppen schließen Bipolar-II nicht kategorisch aus, empfehlen aber intensive Vorab-Evaluation. Dies muss individuell und mit psychiatrischer Fachperson geklärt werden.
Bestimmte Medikamente
Wie in der vorherigen Lektion besprochen:
- Lithium — erhöhtes Risiko für Krampfanfälle
- MAO-Hemmer — Risiko für Serotonin-Syndrom
- Tramadol — senkt die Krampfschwelle
Schwangerschaft und Stillzeit
Es gibt keine Sicherheitsdaten zu psychedelischen Substanzen während Schwangerschaft oder Stillzeit. Aus ethischen Gründen werden solche Studien auch nicht durchgeführt. Daher gilt: Kein Retreat während Schwangerschaft oder Stillzeit.
Relative Kontraindikationen — Abklärung nötig
Bei den folgenden Zuständen ist eine Teilnahme nicht automatisch ausgeschlossen, aber eine professionelle Abklärung ist zwingend erforderlich:
Depressionen und Angststörungen
Paradoxerweise sind Depressionen und Angststörungen einer der häufigsten Gründe, warum Menschen sich für psychedelische Erfahrungen interessieren. Und die Forschung zeigt tatsächlich vielversprechende Ergebnisse.
Aber:
- Wenn du aktuell in einer schweren depressiven Episode bist, brauchst du zunächst professionelle Unterstützung.
- Wenn du Antidepressiva nimmst, müssen die Interaktionen geklärt werden (siehe vorherige Lektion).
- Wenn du Suizidgedanken hast oder hattest, ist das eine Information, die das Retreat-Team unbedingt braucht.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
LSD Derivate können vorübergehend den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen. Für gesunde Menschen ist das unbedenklich. Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen muss das ärztlich abgeklärt werden:
- Bluthochdruck (auch behandelt)
- Herzrhythmusstörungen
- Koronare Herzkrankheit
- Zustand nach Herzinfarkt oder Schlaganfall
Familiäre Vorgeschichte
Wenn in deiner Familie Fälle von Schizophrenie oder Bipolar-I-Störung vorkommen, ist dein statistisches Risiko für psychotische Reaktionen erhöht — auch wenn du selbst nie Symptome hattest. Das bedeutet nicht, dass du nicht teilnehmen kannst. Es bedeutet, dass du und das Retreat-Team diese Information brauchen.
Trauma und PTBS
Psychedelische Erfahrungen können traumatisches Material an die Oberfläche bringen — manchmal unerwartet und intensiv. Wenn du eine diagnostizierte PTBS hast oder schwere traumatische Erfahrungen in deiner Vergangenheit, ist das wichtig:
- Für das Retreat-Team, um die Begleitung anzupassen
- Für deine eigene Vorbereitung — du solltest wissen, dass körperliche und emotionale Reaktionen auftreten können, die mit dem Trauma zusammenhängen
- Idealerweise hast du bereits therapeutische Erfahrung in der Traumaarbeit
Epilepsie und Anfallserkrankungen
Psychedelische Substanzen senken die Krampfschwelle. Bei bekannter Epilepsie ist besondere Vorsicht geboten und eine neurologische Abklärung nötig.
Das Vorgespräch — Dein wichtigstes Werkzeug
Jedes seriöse Retreat beinhaltet ein ausführliches Vorgespräch. Bei Limitless Retreats ist dieses Gespräch ein zentraler Teil der Vorbereitung. Hier werden alle medizinisch relevanten Informationen besprochen.
Was du zum Vorgespräch mitbringen solltest:
- Dein Substanz-Inventar (aus der vorherigen Lektion)
- Deine medizinische Vorgeschichte — Diagnosen, Behandlungen, aktuelle Beschwerden
- Familiäre Vorgeschichte — psychische Erkrankungen in der Familie
- Ehrlichkeit — das Wichtigste auf dieser Liste
Warum Ehrlichkeit nicht verhandelbar ist
Es gibt Menschen, die Informationen zurückhalten, weil sie Angst haben, abgelehnt zu werden. Sie verschweigen Medikamente, verharmlosen ihre psychische Vorgeschichte oder „vergessen" familiäre Erkrankungen.
Das ist verständlich. Und es ist gefährlich.
Die Coaches und Facilitator bei einem Retreat sind nicht deine Gegner. Sie wollen nicht verhindern, dass du teilnimmst. Sie wollen sicherstellen, dass die Erfahrung für dich sicher ist. Wenn sie eine Information nicht haben, können sie dich nicht angemessen begleiten.
Ein konkretes Szenario: Wenn du einen SSRI nimmst und das nicht mitteilst, kann das Team nicht einschätzen, warum die Wirkung möglicherweise ausbleibt oder anders ist als erwartet. Im besten Fall bist du verwirrt. Im schlechtesten Fall wirst du falsch begleitet.
Wann du „Nein" sagen solltest
Manchmal ist die klügste Entscheidung, nicht teilzunehmen — oder noch nicht.
Wenn du gerade in einer akuten Krise bist — psychisch oder physisch — dann ist ein Retreat nicht der richtige nächste Schritt. Zuerst Stabilität, dann Exploration.
Wenn deine Ärztin oder dein Arzt abrät — dann respektiere das. Ein guter Arzt wird dir nicht grundlos von etwas abraten. Hol dir eine Zweitmeinung, wenn du willst. Aber wenn zwei Fachleute abraten, hör auf sie.
Wenn du dich nicht sicher fühlst — in deinem Bauch. Nicht im Kopf, wo du alles rationalisieren kannst, sondern im Bauch. Wenn sich etwas grundlegend falsch anfühlt, dann ist es vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt.
„Nicht jetzt" heißt nicht „nie". Es heißt: Ich kümmere mich erst um das, was jetzt nötig ist. Und wenn die Zeit reif ist, komme ich darauf zurück.
Zusammenfassung: Dein Aktionsplan
- Lies die Screening-Fragen in der Seitenleiste. Beantworte sie ehrlich.
- Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn eine oder mehrere Fragen auf dich zutreffen.
- Erstelle dein Substanz-Inventar und bring es zum Vorgespräch.
- Sei ehrlich zum Retreat-Team. Vollständig. Ohne Ausnahme.
- Vertraue dem Prozess. Wenn das Team sagt, dass du bereit bist — dann bist du es. Wenn sie sagen, dass du noch etwas klären musst — dann ist das keine Ablehnung, sondern Fürsorge.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Research Context
Die Sicherheitsrichtlinien der Johns Hopkins University und des Imperial College London definieren klare Ausschlusskriterien für psychedelische Sitzungen. Diese Kriterien basieren nicht auf Moralisierung, sondern auf dokumentierten Risiken. Zu den absoluten Kontraindikationen zählen aktive Psychosen, Schizophrenie, bipolare Störung Typ I und bestimmte Medikamente (Lithium, MAO-Hemmer).
Exercise
Selbstcheck: Screening-Fragen
Geh diese Fragen ehrlich durch. Wenn du eine oder mehrere mit „Ja" beantwortest, sprich VOR der Anmeldung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt UND mit dem Retreat-Team:
- Hast du eine diagnostizierte psychische Erkrankung (Depression, Angststörung, PTBS, bipolare Störung, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörung)?
- Nimmst du aktuell Psychopharmaka (Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisatoren, Benzodiazepine)?
- Gibt es in deiner Familie Fälle von Schizophrenie oder bipolarer Störung?
- Hast du in der Vergangenheit psychotische Episoden erlebt?
- Hast du eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder nimmst Blutdruck-Medikamente?
- Bist du schwanger oder stillst du?
- Hast du Epilepsie oder eine andere Anfallserkrankung?
- Hast du in den letzten 3 Monaten eine schwere psychische Krise erlebt?
Kein „Ja" bedeutet automatisch, dass du nicht teilnehmen kannst. Es bedeutet, dass weitere Abklärung nötig ist.