de-DEen-US
Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

What you'll learn

  • Du weißt, welche Substanzen und Medikamente relevante Wechselwirkungen haben
  • Du verstehst die wichtigsten Interaktionskategorien — ohne Panik, aber mit Klarheit
  • Du weißt, wann du professionelle medizinische Beratung einholen musst

Ehrlichkeit als Sicherheitsnetz

Ampelsystem für Substanz-Interaktionen: Rot für Kontraindikationen, Gelb für Vorsicht, Grün für unbedenklich

Dieses Kapitel handelt von einem Thema, das manche Menschen nervös macht: Substanz-Interaktionen. Welche Medikamente, Nahrungsergänzungen und anderen Substanzen können mit einem LSD Derivat interagieren?

Wenn du die verschiedenen Substanzfamilien nochmal nachlesen möchtest, findest du eine Übersicht in Modul 2, Lektion „Wie Psychedelika auf das Gehirn wirken".

Lass uns direkt klarstellen: Dieses Kapitel ersetzt keine medizinische Beratung. Wir sind Coaches und Facilitator, keine Ärzte. Wenn du verschreibungspflichtige Medikamente nimmst, musst du das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen — und mit dem Retreat-Team.

Was wir hier tun können, ist dir einen sachlichen Überblick geben. Ohne Panik, ohne Verharmlosung.

Warum das Thema wichtig ist

LSD Derivate wirken auf das serotonerge System im Gehirn — das Netzwerk von Nervenzellen, das den Neurotransmitter Serotonin verwendet. Viele Medikamente und Substanzen beeinflussen dasselbe System. Wenn zwei Substanzen gleichzeitig auf dasselbe System wirken, können sie sich gegenseitig verstärken, abschwächen oder unvorhersehbare Effekte erzeugen.

Das ist keine theoretische Gefahr. Es ist ein reales Risiko, das in der Forschung gut dokumentiert ist und das jedes seriöse Retreat-Team ernst nimmt.

Die wichtigste Regel: Vollständige Ehrlichkeit gegenüber dem Retreat-Team. Verschweige nichts — weder verschreibungspflichtige Medikamente noch gelegentlichen Konsum anderer Substanzen. Die Coaches und Facilitator brauchen diese Information, um dich sicher begleiten zu können.

Die wichtigsten Interaktionskategorien

1. SSRIs und SNRIs (Antidepressiva)

Was das ist: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) wie Sertralin, Citalopram, Fluoxetin, Escitalopram. Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) wie Venlafaxin, Duloxetin.

Was passiert: SSRIs und SNRIs erhöhen die Verfügbarkeit von Serotonin im Gehirn. LSD Derivate wirken ebenfalls auf Serotoninrezeptoren. Die Kombination kann:

  • Die Wirkung des LSD Derivats abschwächen (häufig) — viele Menschen unter SSRI-Medikation berichten von deutlich reduzierten oder ausbleibenden Effekten
  • In seltenen Fällen das Risiko für ein Serotonin-Syndrom erhöhen — eine potenziell gefährliche Überaktivierung des serotonergen Systems

Was du tun solltest:

  • Setze SSRIs oder SNRIs niemals eigenständig ab. Das Absetzen erfordert ärztliche Begleitung und einen Ausschleichprozess, der Wochen oder Monate dauern kann.
  • Sprich frühzeitig mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn du ein Retreat planst.
  • Informiere das Retreat-Team vollständig.

2. MAO-Hemmer

Was das ist: Monoaminooxidase-Hemmer — eine ältere Klasse von Antidepressiva (z.B. Tranylcypromin, Moclobemid). Auch in einigen pflanzlichen Präparaten enthalten (z.B. Syrischer Steppenraute/Harmalin).

Was passiert: MAO-Hemmer blockieren den Abbau von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. In Kombination mit einem LSD Derivat kann die Wirkung deutlich verstärkt werden, und das Risiko für ein Serotonin-Syndrom steigt erheblich.

Was du tun solltest:

  • MAO-Hemmer und LSD Derivate sollten nicht kombiniert werden.
  • Wenn du MAO-Hemmer nimmst, brauchst du eine ausreichende Auswaschphase — und die kann je nach Präparat Wochen dauern.
  • Dieses Thema muss mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. Keine Ausnahme.

3. Lithium

Was das ist: Ein Stimmungsstabilisator, häufig bei bipolarer Störung verschrieben.

Was passiert: Die Kombination von Lithium und serotonergen Psychedelika ist mit einem erhöhten Risiko für Krampfanfälle assoziiert. Mehrere Fallberichte dokumentieren schwerwiegende Zwischenfälle.

Was du tun solltest:

  • Lithium ist eine klare Kontraindikation für die Teilnahme an einem psychedelischen Retreat. Punkt.
  • Setze Lithium nicht eigenständig ab, um an einem Retreat teilzunehmen.

4. Antipsychotika

Was das ist: Medikamente wie Risperidon, Quetiapin, Olanzapin, Haloperidol.

Was passiert: Antipsychotika blockieren Dopamin- und teilweise Serotoninrezeptoren. Sie können die Wirkung von LSD Derivaten abschwächen oder blockieren. Gleichzeitig ist die Kombination nicht systematisch erforscht und daher nicht kalkulierbar.

Was du tun solltest:

  • Antipsychotika und psychedelische Erfahrungen sind in den meisten Fällen nicht kompatibel.
  • Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und mit dem Retreat-Team.

5. Alkohol

Was passiert: Alkohol hat keine direkte gefährliche Wechselwirkung mit LSD Derivaten. Aber:

  • Alkohol beeinträchtigt deine Fähigkeit, dich emotional auf die Erfahrung einzulassen
  • Er stört den Schlaf in den Nächten davor
  • Ein Kater am Tag der Erfahrung ist keine gute Ausgangslage
  • Alkohol kann den Effekt der Erfahrung „flach" machen

Empfehlung: Kein Alkohol in der letzten Woche vor dem Retreat. Idealerweise zwei Wochen.

6. Cannabis

Was passiert: Cannabis und LSD Derivate interagieren auf komplexe Weise. Cannabis kann:

  • Die psychedelische Wirkung verstärken — manchmal auf unvorhersehbare Weise
  • Paranoia und Angst verstärken
  • Die Fähigkeit zur Selbstregulierung verringern

Empfehlung: Kein Cannabis in den 1–2 Wochen vor dem Retreat und währenddessen. Auch nicht „zum Runterkommen" danach.

7. Koffein

Was passiert: Koffein hat keine direkte gefährliche Wechselwirkung, kann aber:

  • Die Herzfrequenz erhöhen (die auch durch das LSD Derivat steigen kann)
  • Innere Unruhe und Nervosität verstärken
  • Den Schlaf in der Nacht davor beeinträchtigen

Empfehlung: Reduziere Koffein in der letzten Woche. Am Tag der Erfahrung: höchstens eine Tasse Kaffee am Morgen — oder keinen.

8. Nahrungsergänzungsmittel

Auch frei verkäufliche Supplements können relevant sein:

  • 5-HTP und L-Tryptophan: Serotonin-Vorstufen. In Kombination mit serotonergen Substanzen potenzielle Verstärkung. Absetzen 1–2 Wochen vorher.
  • Johanniskraut (Hypericum): Wirkt als milder MAO-Hemmer und SSRI. Absetzen mindestens 2 Wochen vorher.
  • Melatonin: In der Regel unproblematisch, aber am Tag der Erfahrung lieber weglassen.

Das Serotonin-Syndrom — Ernsthaft, aber selten

Das Serotonin-Syndrom ist eine potenziell lebensbedrohliche Überaktivierung des serotonergen Systems. Symptome sind:

  • Muskelzuckungen, Zittern
  • Durchfall, Übelkeit
  • Erhöhte Herzfrequenz, Blutdruckanstieg
  • Verwirrtheit, Agitiertheit
  • Hohe Körpertemperatur
  • In schweren Fällen: Krampfanfälle

Das Serotonin-Syndrom ist selten, besonders wenn Wechselwirkungen im Vorfeld bekannt sind und vermieden werden. Es ist aber der Grund, warum die vollständige Offenlegung deiner Medikation gegenüber dem Retreat-Team absolut essentiell ist.

Die Goldene Regel

Verschweige nichts.

Nicht die Schmerztablette, die du „ab und zu" nimmst. Nicht den Joint am Wochenende. Nicht das Antidepressivum, das du seit zwei Jahren nimmst und das du eigentlich für dich behalten wolltest.

Die Coaches und Facilitator brauchen diese Information nicht, um dich zu bewerten. Sie brauchen sie, um dich sicher zu begleiten.

Erstelle dein persönliches Substanz-Inventar (Übung rechts) und bring es zum Vorgespräch mit. Ehrlichkeit ist hier keine Tugend — sie ist Sicherheit.

Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Research Context

Die Sicherheitsrichtlinien der Johns Hopkins University betonen die Bedeutung eines vollständigen Substanz-Screenings vor psychedelischen Sitzungen. Besonders die Interaktion mit serotonergen Medikamenten (SSRIs, MAO-Hemmer) ist gut dokumentiert. Forschung deutet darauf hin, dass bestimmte Medikamente die Wirkung abschwächen, verstärken oder das Risiko für das Serotonin-Syndrom erhöhen können.

Johnson et al., 2008

Exercise

Übung: Dein persönliches Substanz-Inventar (15 Min)

Erstelle eine ehrliche, vollständige Liste:

  1. Verschreibungspflichtige Medikamente: Name, Dosis, wie lange du sie nimmst
  2. Freiverkäufliche Medikamente: Schmerzmittel, Nahrungsergänzungen, pflanzliche Mittel
  3. Regelmäßige Substanzen: Koffein (wie viel?), Alkohol (wie oft?), Nikotin, Cannabis
  4. Gelegentliche Substanzen: Alles, was du in den letzten 3 Monaten genommen hast

Bring diese Liste zu deinem Vorgespräch mit dem Retreat-Team. Ehrlichkeit ist hier keine Tugend — sie ist Sicherheit.

Wichtig: Setze keine Medikamente eigenständig ab. Sprich zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.