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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

What you'll learn

  • Du hast ein strukturiertes Countdown-Protokoll für die letzte Woche vor deinem Retreat
  • Du kommst am Retreat-Tag bereits innerlich vorbereitet an

Die letzte Woche ist nicht irgendeine Woche

Countdown-Protokoll für die letzte Woche vor dem Retreat: Tägliche Schritte von Tag 7 bis Tag 1

Du hast dich wochen- oder monatelang vorbereitet. Du hast gelesen, geübt, geschrieben, reflektiert. Jetzt ist es fast soweit.

Die letzte Woche vor deinem Retreat ist der Übergang von Vorbereitung zu Erfahrung. Sie ist nicht der Moment, in dem du alles auf einmal nachholen solltest, was du vorher versäumt hast. Sie ist der Moment, in dem du runterfährst.

Denk an einen Sportler vor einem wichtigen Wettkampf: Die letzte Woche ist nicht die härteste Trainingswoche. Es ist die Tapering-Phase — weniger Training, mehr Ruhe, gezielte Vorbereitung. Die Arbeit ist getan. Jetzt geht es darum, in den richtigen Zustand zu kommen.

7 Tage vorher: Logistik abschließen

Heute erledigst du alles Praktische:

  • Packliste durchgehen (siehe vorherige Lektion)
  • Anreise bestätigt? Zug, Auto, Fahrgemeinschaft?
  • Arbeit informiert? Vertretung geklärt? Abwesenheitsnotiz vorbereitet?
  • Medikamente dokumentiert und mit uns geteilt?
  • Allergien/Unverträglichkeiten an uns kommuniziert?
  • Notfallkontakt hinterlegt?

Das Ziel: Ab morgen musst du an keine Logistik mehr denken. Alles ist geklärt. Dein Kopf ist frei.

5 Tage vorher: Stimulation reduzieren

Jetzt beginnt das Herunterfahren.

Weniger ist mehr:

  • Nachrichten und Social Media reduzieren — nicht eliminieren, aber bewusst weniger
  • Keine neuen Serien oder aufwühlenden Filme starten
  • Abendliche Bildschirmzeit reduzieren
  • Alkohol und Koffein reduzieren (nicht abrupt stoppen, wenn du viel konsumierst — schrittweise reduzieren)
  • Wenn möglich: soziale Termine reduzieren. Nicht aus jedem Gespräch fliehen — aber bewusst wählen, mit wem du deine Energie teilst

Warum: Dein Nervensystem braucht Zeit, um aus dem Alltagsmodus herunterzufahren. Je ruhiger du in dein Retreat gehst, desto weniger „Rauschen" bringst du mit.

3 Tage vorher: Digitaler Rückzug

Jetzt wird es ernster.

Empfehlungen:

  • Smartphone-Nutzung auf das Minimum beschränken — Nachrichten ja, Doom-Scrolling nein
  • Wenn möglich: einen halben oder ganzen Tag offline verbringen
  • Nachrichtenkonsum einstellen — die Welt kommt auch ohne dich klar für ein paar Tage
  • Stattdessen: Spazieren gehen. Kochen. Journal schreiben. Musik hören. Stille aushalten.

Drei Fragen für dein Journal:

  1. Wie fühle ich mich gerade — körperlich, emotional, mental?
  2. Was ist meine Intention für das Retreat? (Nicht „Ziel" — „Intention". Offen, nicht fixiert.)
  3. Was möchte ich loslassen?

1 Tag vorher: Landen

Der Tag vor dem Retreat ist ein Tag der Ankunft — noch bevor du physisch ankommst.

Morgen:

  • Leichte Bewegung (Spaziergang, sanftes Yoga — kein Hochleistungssport)
  • Leichtes Frühstück. Kein Völlegefühl.
  • Journal: Lies deine Intention noch einmal. Fühlt sie sich noch richtig an? Wenn nicht, passe sie an.

Nachmittag:

  • Tasche packen, wenn nicht schon geschehen
  • Alles ist erledigt? Gut. Dann mach heute Nachmittag nichts Produktives.
  • Lies ein Buch. Geh raus. Hör Musik. Ruh dich aus.

Abend:

  • Leichtes Abendessen — dein Magen wird es dir morgen danken
  • Kein Alkohol
  • Bildschirme weg ab 20 Uhr (oder so früh wie möglich)
  • Früh ins Bett. Du musst nicht sofort einschlafen. Aber liege da. Atme. Lass den Tag gehen.

Vor dem Einschlafen: Sprich deine Intention leise aus. Einmal. Nicht als Mantra, nicht als Beschwörung — als leise Erinnerung an das, warum du das tust.

Tag des Retreats: Ankommen

Du bist aufgewacht. Der Tag ist da.

Morgen:

  • Ruhig aufstehen. Kein Wecker-Hetzen.
  • Leichtes Frühstück. Obst, Toast, Tee — nichts Schweres.
  • 5 Minuten Meditation (du weißt, wie es geht).
  • Duschen. Bequeme Kleidung anziehen.
  • Nochmal die Tasche checken: Journal, Stift, Kleidung, persönlicher Gegenstand, Medikamente.

Auf dem Weg:

  • Wenn du fährst: bewusst fahren. Keine Podcasts, keine Nachrichten. Musik, die dich beruhigt, oder Stille.
  • Wenn du im Zug sitzt: Fenster rausschauen. Atmen. Du bist schon auf dem Weg.

Bei der Ankunft:

  • Du wirst empfangen. Jemand zeigt dir alles.
  • Es gibt eine Orientierung, eine Vorstellungsrunde, Zeit zum Einrichten.
  • Du musst nichts leisten. Du musst nichts wissen. Du musst nur da sein.

Die Wichtigkeit des „Schon-im-Prozess-Seins"

Wenn du dieses Countdown-Protokoll befolgst, kommst du am Retreat nicht „aus dem Alltag gerissen" an. Du bist nicht hektisch, nicht überstimuliert, nicht unvorbereitet.

Du kommst an als jemand, der schon im Prozess ist. Der innerlich bereits angefangen hat.

Das macht einen enormen Unterschied. Nicht weil du „perfekt vorbereitet" sein musst — Perfektion gibt es nicht. Sondern weil du deinem Körper und deinem Geist signalisierst: „Ich nehme das ernst. Ich bin bereit."

Und das bist du.

Research Context

Forschung deutet darauf hin, dass eine schrittweise Reduktion externer Stimulation in den Tagen vor einer psychedelischen Erfahrung die Erfahrungsqualität positiv beeinflusst. Es ist wie beim Sport: Die Tapering-Phase vor einem Wettkampf ist kein Nichtstun — es ist aktive Vorbereitung durch Reduktion.

Richards, 2015

Exercise

Übung: Dein persönliches Countdown-Board

Erstelle dir einen einfachen Plan (Zettel am Kühlschrank, Notiz im Handy) mit den 7 Tagen. Schreib zu jedem Tag die 1–2 wichtigsten Dinge auf. Hake jeden Tag ab.

Das Ziel ist nicht Perfektion. Das Ziel ist: Bewusstsein. Dass du die Tage nicht einfach vergehen lässt, sondern bewusst auf dein Retreat zugehst.