
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du kannst deine typischen emotionalen Muster und Abwehrmechanismen benennen Du erkennst, welche davon sich unter Psychedelika möglicherweise verstärken
Muster sind keine Fehler
Du hast emotionale Muster. Jeder hat sie. Sie sind keine Charakterfehler — sie sind gelernte Reaktionen auf Situationen, in denen du sie gebraucht hast.
Das Kind, das gelernt hat, seine Wut zu unterdrücken, weil Wut zu Hause nicht erlaubt war — hat ein Muster entwickelt, das damals sinnvoll war. Der Erwachsene, der in Konflikten sofort einfriert — wiederholt möglicherweise eine Strategie, die in der Kindheit Sicherheit bedeutete.
Die Frage ist nicht: „Wie werde ich meine Muster los?" Sondern: „Kenne ich meine Muster gut genug, um sie zu erkennen, wenn sie auftauchen?"
Die häufigsten Muster
Hier sind emotionale Muster, die wir bei Retreat-Teilnehmern besonders häufig sehen. Du wirst dich wahrscheinlich in mehreren wiederfinden — das ist normal.
Vermeidung
Du gehst schwierigen Gefühlen aus dem Weg. Du wechselst das Thema, lenkst dich ab, machst Witze. Nicht weil du die Gefühle nicht hast — sondern weil du gelernt hast, dass sie sich unsicher anfühlen.
Unter Psychedelika: Vermeidung wird schwieriger. Die Gefühle sind da, intensiver als gewohnt. Wer sein Vermeidungsmuster kennt, kann bewusst entscheiden: „Ich bleibe diesmal. Ich atme und bleibe."
People-Pleasing
Du richtest dich nach anderen aus. Was wollen sie? Was erwarten sie? Deine eigenen Bedürfnisse kommen zuletzt — oder gar nicht.
Unter Psychedelika: Du könntest bemerken, wie viel Energie du darauf verwendest, es anderen recht zu machen. Oder du spürst plötzlich deine eigenen Bedürfnisse — und das kann sich fremd anfühlen.
Intellektualisierung
Du analysierst, statt zu fühlen. Du verstehst deine Probleme rational — aber emotional erreichst du sie nicht. „Ich weiß, warum ich so reagiere" ersetzt das tatsächliche Erleben.
Unter Psychedelika: Die analytische Ebene wird oft durchbrochen. Emotionen können sich direkt zeigen, ohne den Filter des Verstandes. Für Analytiker kann das zunächst beängstigend sein.
Kontrolle
Du brauchst das Gefühl, die Situation im Griff zu haben. Unsicherheit ist dein größter Feind. Du planst, strukturierst, optimierst — manchmal auch deine Gefühle.
Unter Psychedelika: Kontrolle abzugeben ist eine der größten Aufgaben. Die Erfahrung folgt keinem Plan. Wer sein Kontrollmuster kennt, kann üben, loszulassen — bevor es darauf ankommt.
Rückzug
Wenn es emotional wird, ziehst du dich zurück. In dich, in die Stille, in die Einsamkeit. Das ist nicht dasselbe wie Introversion — es ist ein Schutzreflex.
Unter Psychedelika: Rückzug kann sich als Isolation anfühlen. Die Begleitung durch erfahrene Facilitator ist dann besonders wichtig.
Tender Spots — Deine empfindlichen Stellen
Jeder Mensch hat Bereiche, die besonders empfindlich sind. Themen, die schnell Schmerz auslösen:
- Verlust — Menschen, die du verloren hast
- Scham — Momente, an die du ungern denkst
- Einsamkeit — das Gefühl, nicht wirklich verbunden zu sein
- Wertlosigkeit — der Gedanke, nicht zu genügen
- Ohnmacht — Situationen, in denen du keine Kontrolle hattest
Diese Stellen sind nicht „Probleme, die gelöst werden müssen". Sie sind Teile von dir, die gehört werden wollen. Psychedelische Erfahrungen bringen sie oft an die Oberfläche — nicht um dich zu verletzen, sondern weil die Filter, die sie normalerweise im Hintergrund halten, vorübergehend dünner werden.
Selbstmitgefühl als Werkzeug
Wenn du deine Muster erkennst, ist es leicht, hart mit dir zu sein: „Warum bin ich immer noch so? Warum schaffe ich das nicht?"
Stopp.
Selbstmitgefühl — von der Psychologin Kristin Neff (2003) erforscht — bedeutet: Dir selbst mit derselben Freundlichkeit zu begegnen, die du einem guten Freund zeigen würdest. Nicht „alles ist super", sondern „das ist gerade schwer, und das ist in Ordnung".
Drei Elemente:
- Freundlichkeit statt Selbstkritik: „Das ist ein altes Muster. Es hat mir einmal geholfen."
- Gemeinsames Menschsein: „Jeder hat solche Muster. Ich bin nicht kaputt."
- Achtsamkeit: „Ich sehe das Muster. Ich bin nicht das Muster."
Diese Haltung wird dir nicht nur in der Vorbereitung helfen, sondern auch während der Erfahrung selbst — und danach.
Research Context
In der klinischen Psychologie werden emotionale Muster als „Abwehrmechanismen" oder „Coping-Strategien" bezeichnet. Sie sind nicht „falsch" — sie haben dir irgendwann geholfen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Aber unter Psychedelika, wenn die gewohnten Filter dünner werden, können diese Strategien entweder besonders sichtbar oder besonders verstärkt auftreten. Wer seine Muster kennt, wird weniger überrascht.
Exercise
Übung: Muster-Inventar (25–30 Min)
Geh die folgenden Fragen durch und schreib deine Antworten auf. Nimm dir Zeit.
- Wenn jemand dich kritisiert — was ist dein erster Impuls? (Rechtfertigen? Einfrieren? Gegenangriff? Zustimmen?)
- Wenn du traurig bist — was tust du? (Weinen? Ablenken? Essen? Sport? Rationalisieren?)
- Wenn du Angst hast — was ist dein Muster? (Vermeidung? Kontrolle? Analyse? Humor?)
- Wenn jemand dir nahekommt — emotional — was passiert? (Öffnen? Rückzug? Misstrauen?)
- Welches Gefühl fällt dir am schwersten? (Wut? Trauer? Hilflosigkeit? Scham? Freude?)
Kein Urteil. Nur ehrliche Beobachtung. Diese Muster werden dir während der Erfahrung begegnen.