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Umfassende Vorbereitung für psychedelische Bewusstseinserweiterungen.

Psychedelische Vorbereitung

Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.

What you'll learn

  • Du hast deine ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen identifiziert
  • Du verstehst, wie Erwartungen die Erfahrung einengen können

Die Erwartungsfalle

Du hast Erwartungen. Das ist menschlich. Aber bei psychedelischen Erfahrungen können Erwartungen zur Falle werden — besonders die, die du dir nicht eingestehst.

Hier ist, wie die Falle funktioniert:

  1. Du liest Erfahrungsberichte anderer Menschen
  2. Du baust (bewusst oder unbewusst) ein Bild dessen auf, was „passieren sollte"
  3. Während der Erfahrung vergleichst du ständig: „Ist das schon es? Passiert genug? Ist das richtig?"
  4. Das Vergleichen holt dich raus aus der Erfahrung und zurück in deinen analytischen Kopf

Das Ergebnis: Du erlebst nicht, was tatsächlich passiert, sondern bewertest ständig, ob es deiner Vorstellung entspricht.

Drei Arten von Erwartungen

1. Ausgesprochene Erwartungen

Das sind die Dinge, die du offen sagst: „Ich möchte mich selbst besser kennenlernen." „Ich bin neugierig auf die Erfahrung." „Ich hoffe auf neue Perspektiven."

Diese sind in der Regel relativ unproblematisch — solange sie offen formuliert sind.

2. Starre Erwartungen

Hier wird es heikler: „Ich will eine Vision meines Lebenszwecks." „Ich erwarte, dass meine Angst danach weg ist." „Ich brauche eine bestimmte Einsicht."

Starre Erwartungen erzeugen einen Rahmen, der die Erfahrung einengt. Wenn die Erfahrung anders verläuft — und sie verläuft fast immer anders — entsteht Frustration.

3. Versteckte Erwartungen

Die gefährlichste Kategorie. Das sind Erwartungen, die du dir selbst nicht eingestehst:

  • „Ich hoffe, dass mich jemand rettet"
  • „Ich will beweisen, dass ich stark bin"
  • „Ich will, dass es sich anfühlt wie in dem Bericht, den ich gelesen habe"
  • „Ich will mein Problem lösen, ohne wirklich hinsehen zu müssen"

Diese Erwartungen arbeiten im Hintergrund. Sie erzeugen Widerstand, wenn die Erfahrung in eine andere Richtung geht.

Ängste: Information, nicht Feind

Jetzt zu den Ängsten. Und die sind bei den meisten Teilnehmern vorhanden — auch wenn manche sie nicht zugeben:

  • Angst vor Kontrollverlust: „Was, wenn ich ausraste?"
  • Angst vor dem Unbekannten: „Ich weiß nicht, was passiert"
  • Angst vor der eigenen Tiefe: „Was, wenn etwas Schlimmes hochkommt?"
  • Angst vor dem körperlichen Erleben: „Was, wenn mir schlecht wird?"
  • Angst vor „Verrücktwerden": „Was, wenn ich nicht zurückkomme?"

Diese Ängste sind normal. Sie sind keine Schwäche. Sie sind Information.

Angst vor Kontrollverlust sagt dir: Kontrolle ist ein wichtiges Thema für dich. Das wird wahrscheinlich Teil deiner Erfahrung sein.

Angst vor der eigenen Tiefe sagt dir: Du ahnst, dass etwas unter der Oberfläche liegt. Gut — du bist ehrlich mit dir.

Angst vor dem Unbekannten sagt dir: Du betrittst tatsächlich Neuland. Das verdient Respekt.

Das Konzept des „offenen Griffs"

Stell dir vor, du hältst einen Schmetterling. Zu fest — und du zerdrückst ihn. Zu locker — und er fliegt weg. Der offene Griff ist die Mitte: Du hältst ihn, ohne zu drücken. Du bist da, ohne zu kontrollieren.

So solltest du in die Erfahrung gehen.

Nicht ohne Intention — aber ohne starre Agenda. Nicht ohne Erwartung — aber ohne festgeklammerte Bilder. Nicht ohne Angst — aber ohne von Angst gesteuert.

Praktisch bedeutet das:

  • Intentionen ja: „Ich bin offen für Einsichten über meine Beziehung zu Kontrolle"
  • Erwartungen lockern: „Ich weiß nicht, wie diese Einsichten aussehen werden — und das ist in Ordnung"
  • Ängste benennen: „Ich habe Angst vor Kontrollverlust. Ich sehe diese Angst. Sie darf da sein."

Angst als Reisebegleiter

Eine Umrahmung, die vielen Teilnehmern hilft:

Deine Angst ist kein Feind, den du besiegen musst. Sie ist ein besorgter Reisebegleiter, der dich beschützen will. Du musst ihm nicht gehorchen — aber du musst ihn auch nicht wegstoßen.

Sag innerlich: „Danke, dass du aufpasst. Ich höre dich. Aber ich entscheide trotzdem, weiterzugehen."

Das ist keine Esoterik. Das ist eine grundlegende Technik der emotionalen Regulierung: wahrnehmen, benennen, akzeptieren, handeln.

Research Context

Die psychologische Forschung zu Erwartungseffekten zeigt: Erwartungen formen Wahrnehmung aktiv mit. In der Schmerzforschung können Erwartungen die subjektive Schmerzintensität um bis zu 30% verändern. Für psychedelische Erfahrungen bedeutet das: Zu starre Erwartungen können die Erfahrung in eine Richtung drängen — oder Enttäuschung erzeugen, wenn sie nicht erfüllt werden.

Atlas & Wager, 2012

Exercise

Übung: Der Erwartungs-Scan (20 Min)

Teil 1 — Schreib auf:

  • Was erhoffst du dir von der Erfahrung? (Mindestens 5 Punkte)
  • Was befürchtest du? (Mindestens 3 Punkte)
  • Was würdest du einem engen Freund niemals sagen, das du dir aber heimlich erhoffst?

Teil 2 — Markiere jede Erwartung:

  • 🟢 Offene Intention: „Ich möchte mich selbst besser kennenlernen"
  • 🟡 Starre Erwartung: „Ich will eine bestimmte Vision haben"
  • 🔴 Versteckte Agenda: „Ich will, dass mein Problem danach gelöst ist"

Teil 3 — Formuliere deine grünen Intentionen um zu: „Ich bin offen für…"