
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du hast einen konkreten Plan für die praktische Vorbereitung vor deinem Retreat Du weißt, wie du Arbeit, Familie und Alltag so organisierst, dass du wirklich loslassen kannst Du verstehst, warum After-Care genauso wichtig ist wie die Vorbereitung davor
Der unsichtbare Teil der Vorbereitung
Bisher haben wir über dein inneres Setting (Set) und dein sensorisches Umfeld gesprochen. Aber es gibt eine dritte Ebene, die mindestens genauso wichtig ist: dein alltägliches Leben drumherum.
Eine psychedelische Erfahrung passiert nicht im Vakuum. Du hast einen Job. Vielleicht eine Familie. Verpflichtungen, Deadlines, offene E-Mails. Und all das — ob bewusst oder unbewusst — nimmst du mit in die Erfahrung.
Wenn du während des Retreats daran denkst, ob dein Chef weiß, dass du Montag nicht da bist, wird ein Teil deines Gehirns damit beschäftigt sein. Wenn du dir Sorgen machst, ob deine Kinder versorgt sind, wird dein Nervensystem nicht vollständig loslassen können.
Die Lösung ist nicht, keine Verantwortung zu haben. Die Lösung ist, sie bewusst zu organisieren — damit du sie für die Dauer der Erfahrung wirklich ablegen kannst.
Der Zeitrahmen: Wann fängst du an?
Die praktische Vorbereitung beginnt idealerweise 3–4 Wochen vor dem Retreat. Nicht am Tag vorher. Nicht am Wochenende davor. Wochen vorher.
Warum so früh? Weil vieles davon Zeit braucht:
- Arbeit delegieren — Aufgaben übergeben, Vertretung organisieren, Abwesenheitsnotiz vorbereiten
- Familie und Freunde informieren — und zwar ehrlich, in dem Umfang, der sich richtig anfühlt
- Kalender freimachen — nicht nur für das Retreat selbst, sondern auch für die Tage danach
- Medizinische Fragen klären — falls nötig, Rücksprache mit Ärztin oder Arzt
- Substanzen anpassen — bestimmte Substanzen sollten Wochen vorher abgesetzt oder reduziert werden (dazu mehr in Modul 6)
Zwei Wochen vorher
- Offene Verpflichtungen abschließen oder klar delegieren
- Social-Media-Pausen beginnen oder planen
- Schlafrhythmus stabilisieren
- Ernährung bewusster gestalten (kein Extrem, aber mehr Achtsamkeit)
- Vertrauensperson(en) informieren
Eine Woche vorher
- Keine neuen Projekte starten
- Packliste durchgehen
- Alle logistischen Fragen zum Retreat klären (Anreise, Zeiten, Kontaktdaten)
- Ärztliche Freigabe einholen, falls relevant
- Handy-Nutzung bewusst reduzieren
Der Tag davor
- Tasche gepackt
- Arbeit übergeben
- Handy-Benachrichtigungen ausschalten oder das Gerät weglegen
- Abends früh ins Bett
- Keine intensive Unterhaltung, kein Drama, kein Streit (wenn möglich)
Arbeit — Die größte offene Schleife
Für die meisten Berufstätigen ist die Arbeit der größte Stressfaktor, der in die Erfahrung hineinwirken kann. Nicht weil die Arbeit schlecht ist, sondern weil offene Aufgaben wie offene Browser-Tabs im Kopf laufen.
Was du tun kannst:
- Sprich mit deiner Führungskraft — du musst nicht sagen, wohin du fährst. „Ich nehme mir ein paar Tage für persönliche Weiterentwicklung" reicht völlig.
- Delegiere klar. Nicht „mal schauen, ob jemand das übernimmt", sondern konkret: Wer macht was? Bis wann?
- Schließe ab, was du abschließen kannst. Offene Projekte erzeugen mentale Last. Lieber eine Sache richtig beenden als fünf halb offen lassen.
- Abwesenheitsnotiz vorbereiten — und sie ohne schlechtes Gewissen aktivieren.
- Plane 1–2 Puffertage nach dem Retreat ein, bevor du wieder arbeitest. Direkt nach einer tiefen Erfahrung in Meetings zu sitzen, ist nicht ideal.
Familie und Beziehungen
Das ist ein sensibles Thema. Nicht jeder spricht offen über psychedelische Erfahrungen, und du musst das auch nicht tun. Aber du brauchst einen Plan.
Wenn du in einer Partnerschaft bist:
- Dein Partner oder deine Partnerin sollte wissen, dass du für einige Tage nicht erreichbar bist
- Wie viel du über den Inhalt des Retreats teilst, ist deine Entscheidung
- Kläre die Kinderbetreuung, falls relevant — vollständig, nicht „wird schon irgendwie klappen"
- Bitte um Verständnis für die Tage nach dem Retreat: Du wirst vielleicht still sein, vielleicht emotional, vielleicht anders als sonst
Wenn du allein lebst:
- Informiere mindestens eine Vertrauensperson, wo du bist und wann du zurückkommst
- Organisiere jemanden, der nach deiner Wohnung schaut (Pflanzen, Post, Haustiere)
- Plane, wer dich vom Retreat abholen kann — oder ob du allein fahren willst
Vertrauensperson: Du brauchst mindestens eine Person, die weiß, wo du bist, und die du nach dem Retreat anrufen kannst. Nicht um alles zu erzählen, sondern um jemanden zu haben. Integration ist leichter, wenn du nicht völlig allein damit bist.
Social Media und digitale Hygiene
Das klingt vielleicht nach einem Nebenschauplatz. Ist es nicht.
Social Media, Nachrichtenkonsum und ständige Erreichbarkeit halten dein Nervensystem in einem Zustand permanenter Halbaufmerksamkeit. Dein Gehirn ist nie ganz da und nie ganz weg. Dieser Zustand ist das Gegenteil von dem, was du für eine tiefe psychedelische Erfahrung brauchst.
Empfehlungen:
- 2 Wochen vorher: Social-Media-Zeit bewusst reduzieren. Keine Endlos-Scrolls vor dem Schlafen.
- 1 Woche vorher: Benachrichtigungen ausschalten für alle nicht-essentiellen Apps.
- Während des Retreats: Handy aus oder im Flugmodus. Bei uns ist das ohnehin Teil des Settings.
- Nach dem Retreat: Nicht sofort zurück ins digitale Rauschen. Gib dir mindestens 1–2 Tage ohne Social Media.
After-Care: Der am häufigsten vergessene Teil
Die meisten Menschen investieren 90 % ihrer Energie in die Vorbereitung VOR der Erfahrung und 10 % in das Danach. Das ist ein Fehler.
Was nach dem Retreat passiert, ist mindestens genauso wichtig wie das, was davor und währenddessen passiert. Integration — die Einbettung der Erfahrung in dein alltägliches Leben — braucht Zeit, Raum und Struktur.
Was du jetzt schon vorbereiten kannst:
- Freie Tage nach dem Retreat: Mindestens 2–3 Tage, in denen du keine Verpflichtungen hast. Idealerweise eine Woche.
- Integrations-Unterstützung: Unser Retreat-Programm beinhaltet Integrations-Coaching. Nutze es. Trag die Termine jetzt schon ein.
- Rückkehr-Ritual: Überleg dir, wie du nach Hause zurückkehren willst. Direkt in den Alltag? Oder erst einen Tag lang spazieren gehen, schreiben, kochen?
- Vertrauensperson briefen: Sag deiner Vertrauensperson, dass du nach dem Retreat vielleicht stiller als sonst bist. Oder emotionaler. Oder beides. Bitte sie, keine 20 Fragen zu stellen, sondern einfach da zu sein.
- Journal bereitlegen: Die Tage nach einer psychedelischen Erfahrung sind oft eine Zeit, in der wichtige Einsichten auftauchen — manchmal Tage nach der Erfahrung selbst. Schreib sie auf, solange sie frisch sind.
Die Metapher des Containers
Denk an all diese praktische Vorbereitung als den Container, der deine Erfahrung hält.
Dein innerer Zustand (Set) ist der Inhalt. Dein sensorisches Umfeld (Setting) ist der Raum. Aber der Container — das ist die Struktur, die beides zusammenhält. Die Gewissheit, dass dein Kind versorgt ist. Die Abwesenheitsnotiz, die läuft. Die Vertrauensperson, die Bescheid weiß. Der freie Kalender nach der Rückkehr.
Ohne Container läuft der Inhalt aus. Die Erfahrung kann noch so tief sein — wenn du am nächsten Tag in ein Meeting musst und niemand weiß, wo du warst, verpufft sie.
Bau deinen Container. Jetzt. Nicht am Tag vorher.
Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Research Context
Eine qualitative Studie fand, dass Teilnehmer, die ihre äußeren Lebensumstände bewusst vorbereitet hatten — Arbeit delegiert, Familie informiert, Kalender freigeräumt — signifikant weniger Ablenkung während der Erfahrung berichteten und die Integration danach als leichter empfanden. Die Autoren sprechen von „Container-Bildung" — der Schaffung eines äußeren Rahmens, der den inneren Prozess hält.
Exercise
Übung: Deine Vorbereitungs-Checkliste (30 Min)
Erstelle drei Listen:
Liste 1 — Vor dem Retreat (2–4 Wochen vorher):
- Wen muss ich informieren?
- Was muss ich beruflich delegieren?
- Welche Termine muss ich verschieben?
- Was brauche ich praktisch (Packliste)?
Liste 2 — Die Woche davor:
- Was muss erledigt sein, damit ich wirklich loslassen kann?
- Wer ist meine Vertrauensperson zu Hause?
- Sind alle Substanz-Interaktionen geklärt?
Liste 3 — Nach dem Retreat:
- Wie viele freie Tage habe ich danach?
- Wer begleitet mich in der ersten Woche?
- Habe ich einen Integrationsplan?
Häng die Listen dort auf, wo du sie täglich siehst.