
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du kennst die typischen Phasen einer psychedelischen Erfahrung und ihren zeitlichen Verlauf Du weißt, was dich in jeder Phase körperlich und emotional erwartet
Die Landkarte der Erfahrung
Eine psychedelische Erfahrung ist kein Schalter, der umgelegt wird. Sie hat einen Verlauf — wie eine Welle, die sich aufbaut, ihren Höhepunkt erreicht und wieder abklingt.
Wenn du diesen Verlauf kennst, kannst du dich orientieren. Nicht um die Erfahrung zu kontrollieren — sondern um zu wissen, wo du bist. Wie ein Wanderer, der die Karte nicht braucht, um den Berg zu verschieben, sondern um zu wissen: „Ich bin auf halber Strecke. Der Gipfel kommt noch."
Jede Erfahrung ist individuell. Die Zeitangaben hier sind Richtwerte, keine Garantien. Manche Menschen erleben alles intensiver, andere subtiler. Der grundsätzliche Verlauf ist aber bei den meisten ähnlich.
Phase 1: Onset — Der Beginn (30–60 Minuten)
Nach der Einnahme passiert zunächst … nichts. Oder fast nichts. Und dann, irgendwann zwischen 30 und 60 Minuten, beginnt sich etwas zu verändern.
Körperlich:
- Leichte Übelkeit ist möglich (bei manchen stärker, bei vielen gar nicht)
- Kribbeln, vor allem in den Extremitäten
- Verändertes Temperaturempfinden — mal warm, mal kühl
- Gähnen ist überraschend häufig
- Muskelspannung oder ein Gefühl von „innerer Vibration"
Emotional:
- Aufregung, Nervosität oder beides gleichzeitig
- Möglicherweise ein Moment von „Will ich das wirklich?"
- Vorfreude oder leichte Angst
- Das Gefühl, auf einer Startbahn zu stehen
Was hilft: Atmen. Wirklich. Ruhig atmen. Die Nervosität ist normal und vorübergehend. Dein Körper stellt sich um. Lass ihn.
Phase 2: Aufstieg — Die Beschleunigung (1–2 Stunden)
Hier wird es spürbar. Die Veränderungen werden deutlicher, schneller, intensiver. Das ist die Phase, die für viele Menschen am herausforderndsten ist — weil das Gefühl von Kontrolle hier oft am stärksten wackelt.
Körperlich:
- Veränderte Wahrnehmung — Farben werden lebendiger, Formen verschieben sich
- Körpergewicht fühlt sich anders an — schwer oder schwerelos
- Verändertes Zeitgefühl — Minuten können sich wie Stunden anfühlen
- Musik klingt anders — tiefer, emotionaler, räumlicher
Emotional:
- Die Intensität nimmt zu — Gefühle werden stärker
- Möglicherweise: „Das ist zu viel." (Spoiler: Es wird sich einpendeln.)
- Lachen und Weinen können nah beieinander liegen
- Der Kontrollimpuls ist hier am stärksten — und am wichtigsten loszulassen
Was hilft: Erinnerung an die Fluss-Metapher. Du schwimmst mit, nicht gegen. Wenn die Intensität zunimmt: Atmen, Musik wahrnehmen, Körperkontakt zur Unterlage spüren. Der Aufstieg geht vorbei.
Phase 3: Plateau — Der Gipfel (2–4 Stunden)
Die Intensität erreicht ihren Höhepunkt und bleibt eine Weile dort. Das ist der Kern der Erfahrung — der Teil, an den sich die meisten Menschen am stärksten erinnern.
Körperlich:
- Starke Veränderungen in der Sinneswahrnehmung
- Mögliches Gefühl von Auflösung der Körpergrenzen
- Tiefe körperliche Entspannung oder intensive körperliche Empfindungen
- Tränen, Zittern oder spontanes Lachen — alles möglich, alles in Ordnung
Emotional:
- Hier kann alles auftauchen: tiefe Trauer, grenzenlose Freude, Ehrfurcht, Angst, Liebe, Verwirrung
- Manche erleben autobiografische Erinnerungen
- Manche erleben mystische oder transpersonale Zustände
- Manche erleben „gar nichts Besonderes" — auch das ist eine Erfahrung
Was hilft: Hingabe. Das ist der Moment, in dem die Übungen aus diesem Kurs zum Tragen kommen. Nicht kontrollieren. Atmen. Sein lassen. Wenn es schwierig wird: RAIN. Wenn du Hilfe brauchst: signalisieren. Die Facilitator sind da.
Phase 4: Abstieg — Die Landung (4–6 Stunden)
Die Intensität lässt nach. Langsam, wellenförmig. Manchmal kommen nochmal kurze Wellen von Intensität, aber der Trend geht nach unten.
Körperlich:
- Allmähliche Rückkehr zur normalen Wahrnehmung
- Oft tiefe körperliche Erschöpfung oder überraschende Energie
- Hunger kann auftreten
- Leichte Kopfschmerzen sind möglich
Emotional:
- Oft ein Gefühl von Erleichterung — „Ich habe es geschafft"
- Dankbarkeit ist eine häufige Emotion in dieser Phase
- Manche fühlen Verwirrung — „Was war das?"
- Erste Versuche, die Erfahrung einzuordnen (aber: nicht zu früh interpretieren)
Was hilft: Sanft sein mit dir. Kein Druck, die Erfahrung sofort zu verstehen. Trinken. Essen, wenn du magst. Stille ist erlaubt. Gespräch auch.
Phase 5: Afterglow — Das Nachleuchten (24–72 Stunden)
Die Substanz ist abgebaut, aber die Nachwirkungen sind spürbar. Viele Menschen beschreiben die Tage nach der Erfahrung als eine Art „offenes Fenster" — emotionale Empfindlichkeit, erhöhte Achtsamkeit, verändertes Denken.
Was typisch ist:
- Erhöhte emotionale Empfindlichkeit — Filme, Musik, Gespräche berühren stärker
- Klarheit in bestimmten Lebensbereichen
- Manchmal Müdigkeit, manchmal ungewöhnliche Energie
- Intensivere Träume
- Das Bedürfnis nach Ruhe, Natur, Einfachheit
Was hilft: Schreiben. Malen. Natur. Wenig Bildschirm. Keine großen Entscheidungen in den ersten 48 Stunden. Die Erfahrung braucht Zeit zum Landen. Die Integration (Modul 10) ist der Schlüssel, damit aus der Erfahrung nachhaltige Veränderung wird.
Eine wichtige Erinnerung
Diese Phasen sind ein Modell. Deine Erfahrung wird sich nicht exakt so anfühlen. Manche Menschen erleben einen sanften, fließenden Verlauf. Andere erleben abrupte Wechsel. Manche finden das Plateau friedlich, andere herausfordernd. Manche haben eine starke körperliche Erfahrung, andere eine rein emotionale.
Es gibt keine „richtige" Erfahrung. Deine Erfahrung ist deine Erfahrung.
Diese Landkarte soll dir nicht sagen, was du erleben wirst. Sie soll dir sagen: Was auch immer kommt — es hat einen Verlauf. Es beginnt, es intensiviert sich, es ebbt ab. Und du bist die ganze Zeit sicher.
Research Context
Die Phaseneinteilung psychedelischer Erfahrungen basiert auf klinischen Beobachtungen und Selbstberichten aus der Forschung. Forschung deutet darauf hin, dass das Wissen um den zeitlichen Verlauf die Angst während der Erfahrung reduziert. Wer weiß, dass der Aufstieg vorübergeht und das Plateau kommt, kann sich leichter entspannen.
Johnson et al., 2018
Exercise
Journalübung: Deine Phasen-Landkarte
Zeichne eine Zeitlinie auf ein Blatt Papier. Markiere die fünf Phasen. Schreib zu jeder Phase:
- Was könnte mich in dieser Phase herausfordern?
- Welches Werkzeug aus dem Kurs könnte mir hier helfen?
- Was möchte ich mir für diese Phase merken?
Diese Landkarte kannst du mit zu deinem Retreat nehmen.