
Psychedelische Vorbereitung
Umfassender Vorbereitungskurs für dein psychedelisches Retreat. Von der inneren Standortbestimmung über Set & Setting bis hin zu Atemtechniken und mentaler Vorbereitung — alles, was du vor deiner Erfahrung wissen und üben solltest.
What you'll learn
Du kennst die Bandbreite möglicher Erfahrungsinhalte während einer psychedelischen Erfahrung Du kannst Angst vor dem Unbekannten reduzieren, weil du weißt, was auftauchen kann
Du kannst nicht vorhersagen, was kommt — und das ist in Ordnung
Einer der häufigsten Wünsche, die wir hören: „Ich will wissen, was mich erwartet." Verständlich. Natürlich willst du das. Dein Gehirn liebt Vorhersehbarkeit.
Aber hier ist die ehrliche Antwort: Niemand kann dir sagen, was du erleben wirst.
Nicht dein Coach. Nicht die Forschung. Nicht dieser Kurs. Und auch nicht die Berichte anderer Teilnehmerr — denn deren Erfahrung ist nicht deine.
Was wir tun können: Dir zeigen, welche Arten von Inhalten auftauchen können. Nicht als Menü zum Aussuchen, sondern als Landkarte des Möglichen. Damit du nicht überrascht bist, wenn etwas Unerwartetes kommt — und damit du weißt: Was auch immer es ist, andere haben Ähnliches erlebt.
Autobiografisches Material
Am häufigsten berichten Teilnehmer von Erinnerungen und Lebensthemen.
Was auftauchen kann:
- Kindheitserinnerungen — manchmal solche, die du längst vergessen hast
- Beziehungsthemen — Eltern, Partner, Freundschaften
- Unverarbeitete Verluste — Menschen, die du verloren hast
- Situationen, in denen du verletzt wurdest — oder andere verletzt hast
- Erkenntnisse über Muster, die sich durch dein ganzes Leben ziehen
Diese Inhalte können als Bilder kommen, als Filme, als Gefühle ohne Bilder oder als ein plötzliches „Verstehen" ohne Worte. Manche erleben konkrete Szenen, andere nur die Emotion, die zu einer Erinnerung gehört.
Somatische Freisetzungen
Dein Körper speichert Erfahrungen. Unter Psychedelika kann er sie loslassen — manchmal auf überraschende Weise.
Was auftauchen kann:
- Zittern oder Schütteln — ohne Kälte, ohne erkennbaren Grund
- Weinen — tiefes, befreiendes Weinen, manchmal ohne zu wissen, warum
- Lachen — unkontrollierbares, befreiendes Lachen
- Gähnen — ausgiebig, tief, oft in Wellen
- Bewegungsimpulse — der Körper will sich strecken, rollen, eine bestimmte Position einnehmen
Das ist nicht „falsch". Das ist dein Körper, der etwas verarbeitet, wofür er im Alltag keinen Raum hat. Lass ihn. Er weiß, was er tut.
Visuelles und Symbolisches
Nicht jeder erlebt visuelle Inhalte, aber viele berichten davon.
Was auftauchen kann:
- Geometrische Muster, Fraktale, Farbverläufe
- Symbolische Bilder — Tiere, Landschaften, Archetypen
- Persönlich bedeutsame Symbole — Gegenstände, Orte, Gesichter
- Synästhesie — Musik „sehen", Farben „hören"
Visuelle Inhalte sind oft beeindruckend, aber nicht unbedingt der wichtigste Teil der Erfahrung. Manche der tiefsten Erfahrungen sind rein emotional, ohne ein einziges Bild.
Transpersonale und mystische Erfahrungen
Ein kleiner, aber bedeutsamer Anteil von Menschen berichtet von Erfahrungen, die über das persönliche Selbst hinausgehen.
Was auftauchen kann:
- Ein Gefühl tiefer Verbundenheit — mit anderen Menschen, der Natur, dem Universum
- Zeitlosigkeit — das Gefühl, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren
- Einheitserfahrungen — die Grenze zwischen Selbst und Welt löst sich auf
- Tiefes Staunen, Ehrfurcht oder das, was manche als „heilig" beschreiben
- Begegnungen mit dem Tod — und eine veränderte Haltung dazu
Forschung deutet darauf hin, dass mystische Erfahrungen mit langfristig positiven Veränderungen korrelieren (Griffiths et al., 2006). Aber: Du kannst sie nicht erzwingen. Und ihr Fehlen bedeutet nicht, dass deine Erfahrung „weniger wert" war.
Musik-getriebene Inhalte
In den meisten Retreat-Settings wird Musik eingesetzt — sorgfältig ausgewählt, um die Erfahrung zu begleiten und zu vertiefen.
Musik kann unter Psychedelika eine ungewöhnlich starke Wirkung haben. Ein Stück, das dich im Alltag kalt lässt, kann dich in der Erfahrung zutiefst berühren. Musik kann Emotionen auslösen, Bilder hervorrufen, Erinnerungen aktivieren.
Du musst die Musik nicht „verstehen" oder „richtig hören". Lass sie einfach wirken. Sie ist ein Werkzeug, kein Test.
Die „Nichts passiert"-Erfahrung
Manchmal passiert … nicht viel. Keine Visionen. Keine dramatischen Emotionen. Keine Durchbrüche. Einfach ein Zustand von leichter Veränderung, ruhiger Introspektion oder sogar Langeweile.
Das ist kein Versagen.
Manche der wichtigsten Verschiebungen passieren subtil. Vielleicht merkst du erst Tage oder Wochen später, dass sich etwas verändert hat. Vielleicht war die Erfahrung genau das, was du gebraucht hast — auch wenn sie sich nicht spektakulär angefühlt hat.
Warum Inhalte unvorhersagbar sind
Dein Gehirn hat unter dem Einfluss von Psychedelika Zugang zu neuronalen Verbindungen, die normalerweise nicht aktiv sind. Stell dir vor, dein Gehirn hat normalerweise Straßen — und unter Psychedelika gibt es plötzlich Feldwege, Abkürzungen, Wege durch den Wald.
Welchen Weg dein Geist nimmt, hängt von unzähligen Faktoren ab: deiner Stimmung, deiner Vorbereitung, der Musik, einem Geräusch im Raum, einem Gedanken, der zufällig auftaucht. Das ist weder gut noch schlecht — es ist die Natur der Erfahrung.
Deine Aufgabe: Nicht kontrollieren, was kommt. Sondern bereit sein, allem zu begegnen.
Research Context
Forschung deutet darauf hin, dass die Inhalte psychedelischer Erfahrungen stark von Set und Setting beeinflusst werden, aber nie vollständig vorhersagbar sind. Die Entropy Brain Hypothesis beschreibt, wie Psychedelika die neuronale Vielfalt erhöhen — und damit auch die Vielfalt der Erfahrungsinhalte. Mehr mögliche Verbindungen im Gehirn bedeuten: Alles kann auftauchen.
Exercise
Journalübung: Offenheit üben
Schreib den folgenden Satz auf und ergänze ihn 10-mal — ohne nachzudenken, ohne zu zensieren:
„Wenn in meinem Retreat _____ auftaucht, dann ist das okay."
Beispiel:
- „Wenn in meinem Retreat Trauer auftaucht, dann ist das okay."
- „Wenn in meinem Retreat gar nichts auftaucht, dann ist das okay."
Bemerke, bei welchen Ergänzungen du zögerst. Das sind interessante Stellen.