Das Wichtigste in Kürze
Die EPISODE-Studie ist die bisher größte deutsche Untersuchung zu Psilocybin bei Depressionen, durchgeführt am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und der Charité Berlin, veröffentlicht im März 2026 in JAMA Psychiatry:
- 144 Teilnehmer mit therapieresistenter Depression nahmen teil
- Schneller Wirkeintritt: Bereits nach einer Woche zeigten 34% der Teilnehmer mit 25mg Psilocybin eine Response, verglichen mit 10,4% (5mg) und 6,4% (Placebo)
- Statistisch deutliche Symptomreduktion: Nach sechs Wochen war der Unterschied zur Placebogruppe hochsignifikant (p<0,001)
- Anhaltende Wirkung: Die Response-Rate stieg bis Woche 12 weiter auf 27-34%
Wir gehen die Zahlen im Detail durch.
Was wurde untersucht?
Therapieresistente Depression bedeutet: Herkömmliche Antidepressiva haben nicht ausreichend geholfen. Der Forschungsliteratur zufolge wirken bei mehr als 30% der Menschen mit Depressionen die verfügbaren Medikamente nicht zufriedenstellend, bis zu 80% von ihnen erleben innerhalb eines Jahres einen Rückfall. Genau für diese Gruppe wurde die EPISODE-Studie konzipiert.
144 Erwachsene, die meisten mit mehreren erfolglosen Antidepressiva-Versuchen hinter sich, nahmen an zwei psychiatrischen Kliniken in Deutschland teil. Die Studie war dreifach verblindet: Weder Untersucher, Teilnehmer noch die Personen, die die Symptome bewerteten, wussten, wer welche Substanz erhielt.
Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt:
- 25mg Psilocybin: die volle Dosis
- 5mg Psilocybin: eine niedrige Dosis
- Nicotinamid, 100mg: ein aktives Placebo, das leichte körperliche Reaktionen wie Wärmegefühl auslöst, damit Teilnehmer nicht allein am Fehlen körperlicher Effekte erkennen, dass sie kein Psilocybin erhalten haben
Jede Dosis wurde in eine begleitete psychotherapeutische Sitzung eingebettet, mit Vorbereitung im Vorfeld und Nachgesprächen danach.
Was zeigen die Ergebnisse?
Der auffälligste Befund: Die Wirkung setzte schnell ein. Bereits eine Woche nach der ersten Dosis lag die Response-Rate unter 25mg Psilocybin bei 34,0%, verglichen mit 10,4% unter der niedrigen Dosis und nur 6,4% unter Placebo.
| Zeitpunkt | 25mg Psilocybin | 5mg Psilocybin | Placebo |
|---|---|---|---|
| Woche 1 | 34,0% | 10,4% | 6,4% |
| Woche 6 | 17,0% | 12,5% | 10,6% |
| Woche 12 | 27-34% | – | – |
Gemessen wurde das mit der HAMD-17: einem Fragebogen, mit dem Ärzte checken, wie stark eine Depression gerade ist. Ein Arzt stellt dabei Fragen zu Schlaf, Stimmung und Energie und vergibt dafür Punkte: je niedriger die Punktzahl am Ende, desto besser geht es der Person. Auf dieser Skala sank der Wert unter 25mg Psilocybin nach sechs Wochen im Schnitt um 6,06 Punkte, unter Placebo nur um 1,51 Punkte, ein Unterschied von 4,60 Punkten (95%-Konfidenzintervall: -7,01 bis -2,18; p<0,001). Die Wirkung hielt über den gesamten Studienzeitraum an: Bis Woche 12 stieg die Response-Rate weiter an, was auf einen Nutzen durch die fortgesetzte therapeutische Begleitung hindeutet.
Die Studienautoren fassen es in ihrem eigenen "Meaning"-Statement so zusammen: Psilocybin, 25mg, mit begleitender Psychotherapie könne klinisch bedeutsame antidepressive Effekte bei therapieresistenter Depression erzielen.
Was bedeutet das für dich?
Wichtig vorab: Diese Studie untersucht Psilocybin als mögliche Behandlung bei einer klinisch diagnostizierten, therapieresistenten Depression: ein medizinischer Kontext, der sich von unseren Retreats unterscheidet. Wir bieten keine Depressionsbehandlung an; unsere Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Versorgung.
Was die Studie zeigt: Psilocybin hat ein reales, vielversprechendes Potenzial bei Depressionen, insbesondere durch den schnellen Wirkeintritt, der sich deutlich von klassischen Antidepressiva unterscheidet, die oft erst nach Wochen wirken. Die individuellen Unterschiede in der Studie decken sich mit dem, was auch in der psychedelischen Begleitung außerhalb klinischer Settings immer wieder beschrieben wird: Wie eine Erfahrung wirkt, hängt stark vom Menschen, der Vorbereitung und dem Rahmen ab.
Studienleiter Gerhard Gründer beschreibt die Bandbreite der Effekte so:
"Die individuellen Unterschiede in der Wirkung waren beträchtlich – von kaum spürbar bis zu außerordentlich positiv bei einzelnen Patientinnen und Patienten." – Gerhard Gründer, Studienleiter
Gilt das auch für LSD?
Die EPISODE-Studie hat ausschließlich Psilocybin getestet, nicht LSD. Ob LSD Derivate einen ähnlich schnellen Wirkeintritt zeigen würden, ist bisher nicht direkt untersucht. Interessant ist aber, dass Psilocybin und LSD über denselben Rezeptor wirken (5-HT2A) und dieselben Signalwege im Gehirn aktivieren (TrkB, mTOR) – genau die Mechanismen, die auch mit schnellen antidepressiven Effekten in Verbindung gebracht werden.
➡️ Zur Studie: Psychedelics Promote Structural and Functional Neural Plasticity
Das macht es wissenschaftlich plausibel, dass LSD Derivate ähnliche Effekte zeigen könnten. Direkt getestet wurde das für Depression bislang aber nur mit Psilocybin.
Fazit
Die EPISODE-Studie liefert ein vielversprechendes Bild: einen schnellen Wirkeintritt, eine statistisch deutliche Symptomreduktion und eine Wirkung, die über zwölf Wochen anhielt oder sogar zunahm. Für die Forschung zu Psilocybin bei therapieresistenter Depression ist das ein bedeutsames Ergebnis.
Die vollständigen Studiendaten, Autoren und die Originalpublikation findest du in unserer Research-Datenbank:
➡️ Zur vollständigen Studienübersicht
- Unsere Research-Seite: alle wissenschaftlichen Studien im Überblick
- Was ist Psilocybin?: Vergleich mit LSD
Hinweis: Psychedelische Retreats ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die beschriebenen Effekte basieren auf Erfahrungsberichten und laufender Forschung.
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Über den Autor

Dr. Roman Roor
Roman ist Gründer von Limitless Retreats und Experte für psychedelische Persönlichkeitsentwicklung. Mit wissenschaftlich fundiertem Ansatz verbindet er klare Struktur mit dem Freiraum, den jeder Teilnehmer für seinen Prozess braucht.



